Dialog-Konsens-Methodik

 

(= D.) [engl. dialogue-hermeneutic method], [FSE, KOG], Verfahren zur Erhebung von komplexen handlungsleitenden Kognition, das i. R. des Forschungsprogramms «Subjektive Theorien» entwickelt worden ist. Es geht von dem Problem aus, dass bei komplexen Handlungen die Intentionen der Akteure nicht (unmittelbar) von außen erkennbar, sondern nur durch die Mitteilung der Handelnden zugänglich sind. Diese Mitteilung geschieht durch sprachliche Kommunikation, wobei das Erkenntnis-Subjekt (ES qua Forscher) das Erkenntnis-Objekt (EO qua erforschtem Alltagspsychologen) möglichst adäquat verstehen muss. Darüber, ob dieses Ziel erreicht ist, entscheidet das EO. Sieht es die Adäquatheitsforderung als erfüllt an, ist das der methodologisch geforderte Konsens zw. EO und ES, mit dem festgestellt wird, dass das Verständnis des ES der Innensicht des EO entspricht. Es geht dabei also um eine valide Beschreibung (deskriptive Validität) der komplexen Kognitionen (qua «Subjektiven Theorien») des (handelnden) EO. Da diese Validität über den Dialog-Konsens zw. EO und ES gesichert wird, wird diese Form der Geltungsprüfung kommunikative Validierung genannt. Sie stellt eine methodologische Ausdifferenzierung des konsens-theoretischen Wahrheitskriteriums (Habermas) dar, das auf der Wahrhaftigkeit der über die eigene Innensicht berichtenden Person beruht. Diese Wahrhaftigkeit wird durch die immer nur approximativ erreichbare ideale Sprechsituation zw. EO und ES gesichert, in der Verzerrungsdynamiken so weit wie möglich ausgeschaltet sind.

Die angezielte ideale Sprechsituation wird durch die Sequenz von zwei Teilschritten approximiert: (1) die Kognitionserhebung und (2) den Dialog-Konsens. Für die Kognitionserhebung sind mehrere sog. Struktur-Lege-Techniken entwickelt worden, bei denen die in einem Interview vom EO geäußerten Kognitionen nach einem problemadäquaten Regelsystem in eine bildliche Veranschaulichung gebracht werden. Dieses Legen eines Strukturbildes wird im Optimalfall parallel von EO und ES vorgenommen, sodass dann im zweiten Teilschritt des Dialog-Konsenses eine Einigung über das der EO-Innensicht entspr. Strukturbild erfolgen kann. Damit sind die komplexen Handlungs-Kognitionen («Subjektiven Theorien» des EO) adäquat rekonstruiert, deren Erklärungskraft für die zu beobachtenden Handlungen in einer weiteren Forschungsphase (der explanativen Validierung, Subjektive Theorien, Forschungsprogramm) überprüft werden kann.

Referenzen und vertiefende Literatur

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