digitale Demenz

 

(= d. D.) [engl. digital dementia]. Demenz, Dementia, [KLI], ein populärwiss. Begriff, der durch den Ulmer Psychiater Manfred Spitzer geprägt wurde. Mit dem Terminus ist die Vermutung verbunden, dass die Nutzung von d. Medien (vor allem Computer und Internet) hirnorganische Störungen (Hirnschädigung) hervorruft, die sich neg. auf LernenGedächtnis und Denken auswirken. I. w. S. beschreibt d. D. alle vermutetermaßen neg. Auswirkungen der Nutzung von d. Medien, etwa im Hinblick auf gesellschaftliches Engagement, Einsamkeit, Wohlbefinden oder Aggressivität. Die Thesen zur d. D. sind mit Empfehlungen zur elterlichen und schulischen Medienpädagogik verbunden, die der Bewahrpädagogik zuzuordnen sind. Die empirische Basis für die mit dem Begriff verbundenen Behauptungen ist lückenhaft. Substanzielle Belege für hirnorganische Schädigungen durch die Nutzung d. Medien fehlen. Metaanalytische Befunde liefern keine Hinweise für eine Minderung des gesellschaftlich-politischen Engagements oder erhöhte Einsamkeit durch die Nutzung von d. Medien. Die mit dem Begriff d. D. verbundene Vermutung, d. Medien seien für Lernen und Wissenserwerb von Kindern und Jugendlichen ungeeignet, widerspricht der Befundlage. Korrelative Daten (Korrelation) weisen auf sehr schwache Zus.-hänge der Computernutzungszeit mit Wohlbefinden und mit Übergewicht hin. Einschlägige Metaanalysen belegen allerdings, dass die Nutzung gewalthaltiger Bildschirmmedien eine kausale Ursache für aggressives Erleben und Verhalten sein kann. Angesichts der in Summe zweifelhaften empirischen Grundlage des Konzepts erscheinen sich darauf gründende medienpäd. Empfehlungen kontraproduktiv. Mediennutzungsforschung.

Verwendete Literatur

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