Donders’sche Subtraktionsmethode

 

[engl. Donders' subtraction method], [KOG], auf Donders (1868) zurückgehendes Verfahren, den Zeitbedarf für einen Teilprozess der inneren Abläufe zw. Reiz und Reaktion durch Reaktionszeitmessung zu ermitteln und damit das Bestehen theoretisch postulierter Verarbeitungsstufen empirisch zu überprüfen. Die Vpn bearbeiten zwei versch. Reaktionszeitaufgaben, die einander bis auf eine gezielte Ausnahme vollkommen gleichen. Die Ausnahme besteht darin, dass die eine Aufgabe den fraglichen Teilprozess impliziert, die andere nicht. Die Differenz zw. den beiden durchschnittlichen Reaktionszeiten wird als Zeitbedarf des interessierenden Teilprozesses interpretiert. Ist sie von null versch., muss es den Teilprozess geben. Dagegen ist einzuwenden, dass der Schluss von einer Reaktionszeitdifferenz auf eine Verarbeitungsstufe nur unter der Voraussetzung der reinen Einfügung gilt, d. h., nur wenn der Unterschied beider Aufgaben auch tatsächlich den zu untersuchenden Teilprozess in die Verarbeitungskette einfügt oder ihn entfernt, ohne die anderen Teilprozesse oder die Struktur ihres Zusammenwirkens zu verändern. Jahrzehntelang wurde versucht, über diese Voraussetzung durch Introspektion zu entscheiden, was die Methode schließlich diskreditierte. Seit Mitte der 1960er-Jahre erlebt sie eine Renaissance, da dem Versuch, mit math. Mitteln über die Voraussetzung der reinen Einfügung zu entscheiden, einige Erfolge beschieden waren. Ein modernes Verfahren, das die Annahme der reinen Einfügung vermeidet, ist die Methode der additiven Faktoren Sternbergs (Sternberg, 1969).

Verwendete Literatur

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