Drogenabhängigkeit

 

(= D.) [engl. drug dependence/addiction], [KLI], zwanghaftes Verlangen nach Einnahme von Substanzen (Droge, Medikamente, Alkohol, Nikotin) bzw. das körperliche Angewiesensein auf eine fortlaufende Einnahme der Substanzen mit dem Ziel, einen angenehmen Zustand zu erzeugen oder einen unangenehmen zu vermeiden. Bei Nichtzufuhr des Stoffes treten Entzugserscheinungen auf. Heute eher Verwendung des Begriffes Substanzabhängigkeit. Die Betroffenen haben die Kontrolle über den Drogenkonsum verloren, bringen sich oder andere in körperliche Gefahr. Familiäre, soziale und berufliche Beziehungen können gefährdet sein. Häufig werden einsichtsorientierte Therapien angewandt, für die jedoch keine bes. Wirksamkeit nachgewiesen ist. Die Wirksamkeit erhöht sich bei multidimensionalen Therapieprogrammen. Als günstig erwies sich eine Kombination von Verhaltens-, kogn. und biol. Therapie (Verhaltenstherapie, häufig in Form von Gruppentherapie): aversive Konditionierung (Aversionstherapie), Training sozialer Fertigkeiten (soziale Kompetenzen), Kontingenztraining, Selbstkontrolltraining (Selbstkontrolle), Rückfallpräventionstraining. Bei der sog. Gewohnheitsbildung besteht lediglich eine Abhängigkeit mit nur geringem Verlangen nach einer Dosissteigerung. Nach Substanzart unterscheidet man mehrere Typen: (1) Barbiturat-Alkohol-Typ (Schlaf-, Beruhigungs-, Schmerzmittel, Alkohol, (2) Morphin-Typ (Opiate), (3) Amphetamin-Typ (Aufputschmittel, Appetitzügler), (4) Halluzinogen-Typ (LSD, Meskalin, Phencyclidin), (5) Kokain-Typ und (6) Marihuana/Cannabis-Typ. Unterschiede bestehen in der Neigung zur Dosissteigerung und Toleranzentwicklung, dem Grad der somatischen Abhängigkeit und dem Auftreten eines Entzugssyndroms. Die Ps. hat eine Vielzahl von Modellen zur Erklärung von D. vorgeschlagen, wobei nach Initiierung, Aufrechterhaltung und Rückfall zu differenzieren ist. Wichtig sind lerntheoretische Erklärungen, die Konsequenzen der Drogeneinnahme (pos., Wegfall von neg. Folgen) in den Mittelpunkt stellen (Konditionierung, operante). Von Bedeutung sind aber stets auch physiol. und biochemische Grundlagen. Neuere Forschungsrichtungen gehen der Frage nach, ob für best. Personen somatische Faktoren auffindbar sind, die zu einer erhöhten Vulnerabilität für D. führen. Für eine Reihe von Reaktionen auf Pharmaka (z. B. Sedierungsschwelle) und Abhängigkeitsformen sind genetische Faktoren (z. B. Alkoholismus) und/oder somatische Faktoren nachgewiesen oder empirisch wahrscheinlich gemacht worden. Sucht- und substanzbezogene Störungen.

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.