Dynamik

 

(= D.) [engl. dynamics; gr. δύναμις (dynamis) Kraft, Möglichkeit im Ggs. zu ἐνέργεια (energeia) Wirksamkeit, Tätigkeit], [EM, KLI, KOG, WA], Schwung, Triebkraft. Lehre von den in der Natur wirksamen Kräften; Teilgebiet der Mechanik. Wichtiges Kriterium der D. ist, dass sie auch da wirkt, wo keine direkte Einwirkung (wie bei Druck und Stoß der Mechanik) vorliegt. In der Ps. hat D. vielfältige Bedeutung: (1) D. wird analog zur Physik verstanden als die Veränderung psych. Tatbestände unter dem Einfluss von Kräften. (2) Am häufigsten wird D. gebraucht in der Motivationsps. Die Kräfte werden dort entweder als Instinkte, Libido, Triebe, Treibfedern, Antriebe, Strebungen (Lorenz, Freud, Jung, Klages, Krüger, Lersch) aufgefasst oder aber, ohne Annahmen hinsichtlich ihrer spezif. Natur zu machen, operational definiert als Vektoren (Lewin; Vektorpsychologie). (3) In der Wahrnehmungsps. spricht man von D., insofern sich z. B. visuelle Gebilde unter dem Einfluss von Kräften i. S. der jew. herrschenden Bedingungen organisieren (z. B. Aktualgenese, Tendenz zur guten Gestalt; Gestaltpsychologie). (4) Psych. Kräfte können nach dem Isomorphieprinzip (Wertheimer, Köhler) somatisch grundgelegt sein. Man spricht in diesem Fall von der D. des Hirnfeldes (Isomorphismus). (5) Von einer «dynamischen Ganzheit» spricht man, wenn sich mehrere psych. Kräfte i. R. gegebener Bedingungen spontan zu einem neuen Ganzen organisieren. «Dynamische Ganzheit» und «psychisches Feld» sind äquivalente Begriffe. (6) D. als Ggs. zu starr und eindeutig best. Verrichtungen (z. B. bedingter Reflex,). (7) In der Psychomotorik die Bez. für die bewegungsverursachenden Kräfte. Als inverse Dynamik wird in Robotik und Psychomotorik die «rückläufige Bestimmung» von Kräften bez., die für eine gewünschte Bewegung erforderlich sind; die Lösung ist i. d. R. uneindeutig. koordinative Struktur.