Ehrenstein-Täuschung

 

(= E.) [engl. Ehrenstein illusion], nach W. Ehrenstein (1899-1961), [WA], geometrisch-optische Täuschung, bei der die Fläche zw. den Endpunkten gitterförmig angeordneter Linien aufgehellt erscheinen. In der Abb. scheinen die Kreuzungspunkte eines Gitters durch eine aufgehellte Fläche («Weißer-als-weiß-Effekt») überlagert (Figur-Grund-Verhältnis) zu sein, obwohl sich die Fläche zw. den Linienende in der Reizvorlage nicht von der weißen Umgebungsfläche unterscheidet. Die Linien erscheinen durch die als aufgehellt empfundenen Flächen verdeckt bzw. unterbrochen (amodale Vervollständigung). Die Originalversion der E. ist in der Abb. rechts zu sehen: Die diagonalen Linien unterstützen die Wahrnehmung einer durch Täuschungskonturen scharf begrenzten Täuschungsform (Kreis; Täuschungskontur). Fehlen diese Diagonalen, so scheinen die aufgehellten Punkte bei entspr. Anordnung zu sog. Helligkeitstraßen zu «verschwimmen». Wird die Aussparung zw. den Linienenden durch eine reale Kreiskontur begrenzt, wird die Kreisfläche nicht mehr als aufgehellt empfunden. Ähnlich wie beim Kanizsa-Dreieck kann diese Täuschungsempfindung als Bsp. dafür gelten, dass durch formerkennende Bildverarbeitungsprozesse Bildelemente perzeptuell konstruiert werden bzw. wahrnehmbare Qualitäten (Täuschungshelligkeit bzw. -kontur) erhalten, die eine prägnante (Prägnanztendenz), ökologisch plausible Bildinterpretation unterstützen. Die Eigenschaften der E. wurde vor allem bzgl. der Informationsverarbeitung durch sog. end-stopped Zellen im primären visuellen Kortex (Okzipitalkortex) untersucht.

Ehrenstein-Täuschung

Referenzen und vertiefende Literatur

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