Einstellungsänderung

 

(= E.), [engl. attitude change], [KOG, SOZ], findet statt, wenn sich die Einstellung [i. S. von engl. attitude] zu einem Gedankenobjekt verändert. In der Forschung zur E. wird untersucht, welche Faktoren E. bewirken oder verhindern und welchen Gesetzmäßigkeiten E. folgt. Frühe Ansätze fokussierten auf lerntheoret. Grundlagen (Lernen) der E. (Message-Learning Approach). Spätere Persuasionsstudien zeigten, dass es v. a. die kogn. Reaktionen (Cognitive Response Approach) auf die Argumente einer Botschaft sind, die eine E. bewirken. In Zweiprozessmodellen der Persuasion wird angenommen, dass E. entweder durch oberflächliche Informationsverarbeitung oder durch systematisches Nachdenken zustande kommt. Im Elaborations-Wahrscheinlichkeit-Modell wird die oberflächliche Verarbeitung periphere Route genannt: Hierüber können sich u. a. neue assoziative Verknüpfungen (Assoziation) bilden, die die Einstellung verändern, ohne dass die Person darüber bewusste Kontrolle ausüben könnte (Konditionierung, evaluative). Während bei oberflächlicher Verarbeitung z. B. die äußere Erscheinung oder ein akademischer Titel des Kommunikators ausreichen können, um jemanden von einer best. Beurteilung zu überzeugen, sind bei systematischer Verarbeitung stichhaltige Argumente hierfür notwendig. Beide Prozesse können sich auch gegenseitig beeinflussen (Heuristisch-systematisches Modell (HSM)). Eine alternative Formulierung sieht das Unimodel of Persuasion vor, das in beiden Fällen annimmt, dass Personen wahrgenommene Information in ihr bereits bestehendes Einstellungssystem einpassen. Ist die Kapazität hierfür gering, so wird eine Person vorrangig augenfällige, leicht zu verarbeitende Information nutzen. Die Persuasionsforschung nutzte bis Ende der 1990er-Jahre v. a. explizite Einstellungsskalen. Durch die Einführung von impliziten Verfahren der Einstellungsmessung (z. B. Impliziter Assoziationstest) haben sich seither neue Fragestellungen für die E.forschung ergeben. Hier werden v. a. die Ursachen für unterschiedliche Änderungsmuster bei impliziter und expliziter Einstellungsmessung untersucht. Neuere Modelle zur Erklärung von E. integrieren diese Befunde. Hierbei ist v. a. das Associative-Propositional Evaluations Model (APE model, Gawronski & Bodenhausen, 2006) zu nennen. Dieses unterscheidet zw. assoziativ-automatischer E., die überwiegend mit impliziten Verfahren messbar ist, und kontrolliert-propositionaler E., die sich vorwiegend auf expliziten Maßen zeigt. Beide Prozesse können sich gegenseitig beeinflussen. Eine Einordnung neuerer Forschung zu Einstellungen und E. findet sich in Bohner & Dickel (2011).

Verwendete Literatur

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