Ekman, Paul

 

(geb. 1934) [HIS, SOZ, EM], amerikanischer Psychologe und Anthropologe. Er hat in Chicago und New York studiert, 1958−1960 arbeitete er für die US Army. Er führte anschließend mehrere Forschungsprojekte durch. 1972 wurde er an die University of California, San Francisco, berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 lehrte. Prägend für Ekman war 1966 eine Forschungsreise nach Papua-Neuguinea, wo er Urwaldbewohner untersuchte. Den Einheimischen legte er Fotos mit Gesichtsausdrücken vor und ließ sie raten, bei welcher Gelegenheit das Foto entstanden war. Er fand, dass grundlegende Emotionen wie Freude, Zorn, Angst, Überraschung, Ekel usw. wie in westlichen Kulturen unmittelbar erkannt wurden. Daraus schlossen Ekman und sein Kollege Wallace Friesen auf das Bestehen von Basisemotionen. So knüpften die Autoren an Thesen von Charles Darwin zur Universalität des Emotionsausdrucks an (1872; Darwin, 1998). Hiermit standen sie i. Ggs. zur vorherrschenden Lehrmeinung, Basisemotionen seien kult. geprägt. Ekman und Friesen stellten u. a. das Facial Action Coding System (FACS) zus. (Ekman & Friesen, 1978). Dieses soll kleinste Einheiten der menschlichen Mimik auf Fotos bzw. in Videoaufnahmen unabhängig von der Anatomie der betreffenden Person erfassen. Grundlage dieser Mimikanalyse sind sog. Action Units (AU), Gesichtsbewegungen, die von einem oder mehreren Muskeln ausgeführt werden. Die Untersuchungen von Ekman haben u. a. Bedeutung für Psychoth., Filmindustrie und Kriminalistik. In den Folgejahren entstanden weitere Untersuchungen und Kategoriensysteme, auch für kommerzielle Zwecke, wie zur Diagnose der Gesichtsausdrücke von Flugpassagieren.

Verwendete Literatur

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