Embodiment

 

(= E.) [engl.] Verkörperung, [PHI], kann als interdisziplinärer Dachbegriff für das Zusammenspiel von Körper/Leib und Geist verstanden werden (Leib-Seele-Problem), wobei die Überlegungen und auch Forschungen, die nun unter E. gefasst werden, eine lange Tradition haben und teilweise bis in die antike Philosophie und auch zu frühen Konzeptionen der Psyche innerhalb der Ps. zurückreichen. Der Begriff wird inzw. in versch. psychol. Sub- und Bezugsdisziplinen verwendet. E. ist jedoch kein einheitlich verwendeter Begriff, sondern er steht für versch. Phänomene, die sich um die Wechselwirkung von Körper und psych. Prozessen wie Denken und Fühlen (Gefühl, Emotionen) sowie Handeln (Handlung) gruppieren. Bisher ist noch kein allg. anerkanntes, umfassendes theoretisches Konzept zu E. vorhanden.

[BIO, KOG], in kognitionspsychol. Ansätzen (Bermeitinger & Kiefer, 2012) wird davon ausgegangen, dass (1) Kognition situiert ist, also situationsabhängig und in die Umgebung eingebettet, was bspw. bedeutet, dass zu einem best. Zeitpunkt nicht alle Facetten eines Konzepts (Konzept) aktiv sind, (2) Kognition dazu da ist, um effektives und adäquates Handeln zu unterstützen (und nicht umgekehrt), (3) Konzepte keine abstrakten semantischen Einträge (Semantik) sind, sondern (auch) sensorisch und motorisch (Motorik) codiert sind, was etwa dadurch plausibel wird, dass auch beim bloßen Sehen von best. Objekten (oder beim Nachdenken über ein Objekt) die gleichen (motorischen) Hirnareale (Gehirn) aktiv sind, die auch beim Umgang mit dem jew. Objekt aktiv sind (z. B. sind beim Anblick einer Tasse die motorischen Programme für Greifbewegungen aktiv).

[EM], beim Thema Emotionen legen zahlreiche Befunde nahe, dass der Körper eng mit der Verarbeitung emot. Information verbunden ist und dass reziproke Beziehungen zw. Körper und Emotion bestehen, genauer zw. körperlichen Ausdrücken von Emotionen und der Art, wie emot. Information aufgefasst und interpretiert wird. Der Körper kann sowohl Ausdruck einer erlebten Emotion sein (wenn man traurig ist, weint man) als auch durch Manipulation von bspw. Mimik oder Körperhaltung das Emotionsempfinden hervorrufen oder zumindest stark beeinflussen. Wird der Körper daran gehindert, emotionstypische Bewegungen und Ausdrücke auszuführen, wird auch das emot. Erleben entspr. verändert oder gestört (wenn man dazu gebracht wird zu lächeln – z. B. durch das Festhalten eines Stiftes mit den Zähnen –, findet man Comics lustiger, als wenn man daran gehindert wird zu lächeln, – z. B. durch das Festhalten eines Stifts mit den Lippen, Biofeedback). Zudem konnte gezeigt werden, dass auch beim Nachdenken und Sprechen über Emotionen die gleichen Hirnareale wie beim tatsächlichen Erleben aktiv sind (z. B. Niedenthal, 2007).

[KLI], in der Klin. Ps. werden diese Erkenntnisse aufgegriffen, indem z. B. die Zusammenhänge von einerseits Körperhaltung und Gangmuster und andererseits Depression und Stimmung im Therapieverlauf (therapeutische Veränderung) untersucht werden. Außerdem finden in bewegungstherapeutischen Interventionen Ideen aus der E.-Forschung ihre Anwendung.

[SOZ], in der Sozialpsychologie wird der E.-Ansatz übernommen, etwa um Wahrnehmung und Beurteilung anderer Personen, Vorurteile, moralisches Handeln, interpersonalen Sprachgebrauch, interpersonale Synchronisation oder die wahrgenommenen Beziehungen zw. Personen neu zu beleuchten.

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.