Eminenz

 

(= E.) [engl. eminence Bedeutung, ausgezeichneter Rang; lat. eminere hervorragen], bez. die Bedeutung, den Einfluss einer Person, − bei Wissenschaftlern spez. − die fachliche Geltung des Gesamtwerks. Die E. von Psychologen wurde auf versch. Weise untersucht, um nicht allein von den fragwürdigen Beurteilungen durch einzelne Ps.historiker abhängig zu sein. So können ein größerer Personenkreis befragt oder die Zitationshäufigkeiten in Fachzeitschriften oder Lehrbüchern analysiert werden. Die Rangfolgen (Rankings) unterscheiden sich jedoch bereits, wenn in einer amerik. Erhebung die «Experten der Ps.geschichte» WundtJames und Freud auf den vordersten Plätzen nennen, die ebenfalls befragten Chairpersons der Institute jedoch Skinner, Freud, James, Piaget und dann, nach Hall, auf Platz 6 auch Wundt (Korn et al., 1991). In Dt. hätte Skinner wahrscheinlich nie einen der vorderen Rangplätze erhalten. In einer neueren Umfrage wurden je drei quant. und qual. Kriterien verwendet, um die «99 most eminent psychologists of the 20th century» (erneut mit Skinner an der Spitze und mit einem, von den Verfasssern eingeräumten, massiven «American and Englishlanguage bias») zu bestimmen (Haggbloom et al., 2002).

Die Rankings sind in hohem Maße von dem befragten Personenkreis, den sprachlichen und nationalen Beschränkungen, dem vorhandenen Fachwissen, der Stichprobentechnik, der Rücklaufquote und spez. auch von der Formulierung der Fragen abhängig. Auch die Zitationshäufigkeiten von Artikeln oder Büchern eines Autors müssen relativiert werden, denn zw. den Fachgebieten und Zeiträumen haben sich die Publikationsgewohnheiten verändert (Impact Factor). Die Datenbanken unterscheiden sich in ihren Selektionskriterien, z. B. sind im Social Science Citation Index SSCI biopsychol. und medizinpsychol. Publikationen unzureichend repräsentiert. In einem best. Fachgebiet wird die relative Bedeutung eines Psychologen eher einzuschätzen sein: indem bspw. eine Serie bekannter amerik. Lehrbücher der Persönlichkeitsps. (Mayer & Carlsmith, 1997) ausgewertet oder Umfragedaten der Fachvertreter der «Differentiellen Ps., Persönlichkeitsforschung und Ps. Diagnostik» (Amelang, 2004) erhoben werden. Einen neuen Untersuchungsansatz bilden die Webstatistiken über das Vorkommen eines Namens (nach Zeitraum und Sprache) in digitalisierten Büchern (Google Books mit der Software Ngrams). Der zugrunde liegende Korpus umfasst gegenwärtig die Digitaliste von ca. 5 Mio. Bücher, deren technische Qualität solche Analysen zulässt: Quantitative analysis of culture using millions of digitized books (Michel et al., 2011).

Bibliometrische Analysen bleiben zwar wegen ihrer typischen Mängel hinsichtlich einer «quant. Historiografie in der Ps.geschichte» zumeist an der Oberfläche, regen jedoch zu genauerer Rezeptionsforschung an. Ein wichtiger Kontext bleibt – gerade im Fach Ps. – die wechselnde Orientierung des «main stream». Die Bewertung wiss. Leistungen wird sich mit dem Wandel der Schwerpunkte bzw. der theoretischen Richtungen und mit dem deutlichen Interessenwandel in den Anwendungsfeldern verändern. Diese Trends sowie der Life cycle of psychological ideas (Dalton & Evans, 2004) sind noch unzureichend untersucht. Die Rezeptionsanalyse des Werks eines best. Autors, bspw. von Wilhelm Wundt, kann mit versch. Methoden die Dynamik und die Defizite solcher Einschätzungen der E. aufzeige. Evidenzbasierung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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