Emotionalität

 

(= E.) [engl. emotionality; lat. ex (her)aus, movere bewegen], [EM, PER], allgemeine Bez. für Affekte, Gefühle und Stimmungen (Affektivität), im Unterschied zum Bereich der kogn. (geistigen, Kognition) und volitionalen (willentlichen, Volition) Funktionen (siehe die traditionelle Gliederung in die Bereiche Denken, Fühlen, Wollen). E. i. S. einer überdauernden Persönlichkeitseigenschaft (Persönlichkeitsmerkmal) drückt aus, dass jemand mehr oder minder von Emotionen (Gefühlen) geleitet ist, statt emot. kontrolliert und angepasst zu reagieren.

In Eysencks biol. orientierter Persönlichkeitstheorie ist E. (früher Emotionale Labilität oder Neurotizismus), neben Extraversion-Introversion und Psychotizismus, ein übergeordneter Faktor (Faktor zweiter Ordnung) mit zahlreichen Facetten. Eysenck behauptet einen engen Zusammenhang zw. emot. Labilität und vegetative Labilität bzw. der Hyperreaktiviät des vegetativen Nervensystems, die er sehr allg. auf indiv. Unterschiede in der Schwellenlage des limbischen Systems zurückführte. Auf der Ebene von standardisierten Fragebogen (wie Eysenck Personality Inventory, Freiburger Persönlichkeitsinventar FPI-R) besteht eine hohe und gut reproduzierbare Korrelation zw. der Selbstbeurteilung, emot. labil, grüblerisch, unsicher und ängstlich zu sein, und der Anzahl und Häufigkeit erlebter körperlicher Beschwerden, bspw. Kopfschmerzen, Magen-Darm-Störungen, körperliche Anspannung, Schlafstörungen, kalte Hände oder Schwitzen usw. Dagegen haben genaue psychophysiol. Untersuchungen, die physiol. Messwerte der vegetativen und motorischen Reaktionen verwendeten, keinen Zusammenhang gefunden. Dabei wurden best. Belastungen, u. a. Laboraufgaben wie Kopfrechnen unter Lärmbelastung, eine freie Rede halten, spez. Funktionsprüfungen der vegetativen Regulation sowie ambulantes Assessment unter Alltagsbedingungen herangezogen. I. R. dieser Methodik muss Eysencks psychophysiol. Theorie der E. heute als falsifiziert gelten.

Referenzen und vertiefende Literatur

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