Empathie, ärztliche bzw. therapeutische

 

(ä. E.) [engl. physician empathy], [EM, GES, KLI], eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Entwicklung einer therap. Arzt- bzw. Therapeut-Pat.-Beziehung (Therapiebeziehung) ist das Einfühlungsvermögen, die Empathie des Arztes. Die am häufigsten verwendete Def. von ä. E. ist jene von Mercer und Reynolds. Diese verwenden einen integrativen Ansatz zur Def. und betrachten ä. E. sowohl als ein multidimensionales Konstrukt als auch als eine erlernbare Fähigkeit. Es werden vier Komponenten des multidimensionalen Konstrukts unterschieden: (1) die emot. Komponente (Emotionen): die Fähigkeit, den ps. Zustand oder die wirklichen Gefühle eines anderen subj. nachzuempfinden oder zu teilen; (2) die moralische Komponente: eine innere altruistische Kraft, die zur Anwendung von Empathie motiviert; (3) die kogn. Komponente (Kognition): die intellektuelle Fähigkeit des Helfenden, die Gefühle und die Perspektive eines anderen zu identifizieren und zu verstehen; (4) die Verhaltenskomponente: die kommunikative Reaktivität (Kommunikation), um das Verständnis für die Perspektive des anderen auszudrücken. Gleichzeitig wird ä. E. von dem Begriff Sympathie i. S. von Mitleid abgegrenzt. Sympathie impliziert eine emotionale Ansteckung, die i. R. einer med. Behandlung eine Barriere, z. B. bei der Diagnosefindung oder Therapie, darstellen kann. Vor diesem konzeptuellen Hintergrund def. Mercer und Reynolds ä. E. als «... die Fähigkeit (1) die Situation, die Perspektive und Gefühle (und die damit verbundenen Bedeutungen) des Pat. zu verstehen, (2) dieses Verstehen zu kommunizieren und dabei auf seine Richtigkeit zu überprüfen und (3) diesem Verstehen entspr. zu handeln und den Pat. in einer helfenden (therap.) Weise zu unterstützen». Gesprächspsychotherapie.

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.