Empathie, anwendungsorientierte Definition

 

[engl. empathy, application-oriented], [EM]Empathie (= E.) wird im Dreiklang mit Sympathie und Antipathie definiert und wie folgt abgegrenzt: E. ist eher ein Verstehen bzw. ein Nachvollziehen von Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen eines anderen; Sympathie ist eher ein Teilen von Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen aufgrund von Zuneigungsgefühlen zum anderen und Antipathie ist eher die Ablehnung einer Person aufgrund von Abneigungsgefühlen. E. wird in dieser anwendungsorientierten Def. verstanden als ein Pendel, welches im täglichen Leben zw. den beiden Polen Sympathie und Antipathie hin- und herschwingt, je nach Qualität der Beziehung zur anderen Person. I. R. dieses Verständnisses grenzt sich E. von der Sympathie und Antipathie durch folg. Eigenschaften ab: E. ist eher wahrnehmend (Wahrnehmung) als bewertend; weniger vorurteilend (Vorurteile); sich für den anderen öffnend, aber bei sich bleibend; innerlich einen Schritt zurücktretend von den eigenen Emotionen; eher ein verstehendes Hinterfragen einer Beobachtung, z. B.: Was könnte dazu geführt haben, dass sich dieser Mensch so verhält (Verhalten), so fühlt (Fühlen), so denkt (Denken), auf diese Weise erkrankt ist …?; eher eine ausgeglichene, balancierte Beziehung als eine extreme emot. Verschmelzung wie in der Sympathie oder Ablehnung in der Antipathie; eher ein intentionaler (Intention), bewusster Prozess, weniger impulsiv. Die notwendigen Voraussetzungen für diese postulierten Eigenschaften von E. sind die folg.: Je reflektierter die Wahrnehmung und das Wissen über das eigene Selbst und des Selbst in Interaktion mit dem anderen ist, desto ruhiger schwingt das «Empathiependel» zw. den Polen Sympathie und Antipathie. Diese hier postulierte anwendungsorientierte Def. von E. verdeutlicht, dass gerade die Fähigkeit der E. vor emot. Verausgabung schützen kann.