Empathie

 

(= E.) [engl. empathy; gr. ἐμπάθεια (empatheia) Leidenschaft, intensives Gefühl], [EM], ist das affektive (Affekt) Nachempfinden der vermuteten Emotion eines anderen Lebewesens auf Basis des kogn. Verstehens dieser Emotion und bei Aufrechterhaltung der Selbst-Andere-Differenzierung. Affektives Nachempfinden beschreibt das innere Erleben von Emotionen, die akt. nur deswegen aktiv sind, weil das Gegenüber diese (vermuteten) Emotionen akt. erlebt. Kogn. Verstehen beschreibt das Erkennen von und die Einsicht in die (vermuteten) Ursachen der Emotionen des Gegenübers. Selbst-Andere-Differenzierung besteht, wenn die E. auslösende Emotion des Gegenübers bewusst als diesem Anderen zugehörig und nicht als genuin eigene Emotion erlebt wird. E. wird zumeist als Fähigkeit oder Disposition konzeptualisiert. Der Fähigkeitsaspekt beschreibt, inwieweit eine Person potenziell im Vgl. zu anderen in der Lage ist, E. zu erleben, wenn sie dazu akt. motiviert ist. Der Aspekt der Disposition beschreibt die typische Verhaltenstendenz einer Person im Vgl. zu anderen, im Alltag E. zu erleben. Das konkrete Ausmaß an E. ist neben der indiv. Fähigkeit und Disposition auch von situativen Faktoren wie der eigenen emot. Stabilität, der Zuneigung zum Gegenüber oder der wahrgenommenen Ähnlichkeit mit dem Gegenüber abhängig.

Abzugrenzende Begriffe umfassen u. a. Perspektivenübernahme (kogn. Verstehen), Gefühlsansteckung (affektives Mitfühlen ohne kogn. Verstehen und ohne Selbst-Andere-Differenzierung), Mitgefühl (erleben von fürsorglichen Emotionen, die aber nicht den vermuteten Emotionen des Gegenübers entsprechen), prosoziales Verhalten (sozial erwünschtes Hilfeverhalten auf Basis von E., Mitgefühl oder anderen Motiven) und Emotionale Intelligenz (eigene und fremde Gefühle wahrnehmen, verstehen und beeinflussen). Kommunikation, gewaltfreie, mentalistische Alltagspsychologie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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