Empowerment

 

(= E.) [engl. Selbstbefähigung, Ermächtigung], [GES, KLI], E. als praxisorientiertes Konzept ist ursprünglich in der Gemeindepsychologie beheimatet, hat aber in den letzten Jahren verstärkt Eingang in Public Health, Gesundheitsförderung, Soziale Arbeit, Entwicklungszusammenarbeit und auch Organisationsentwicklung gefunden. E. zielt darauf ab, dass Menschen die Fähigkeit entwickeln und verbessern, ihre soziale Lebenswelt und ihr Leben selbst zu gestalten und sich nicht gestalten zu lassen. Psychosoziale Praktiker in versch. Arbeitsfeldern tragen durch ihre Arbeit dazu bei, alle Bedingungen zu schaffen, die eine «Bemächtigung» der Betroffenen fördern, und es ihnen ermöglichen, ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben zu führen. Insofern bedient E. die Schnittstelle zw. indiv. und sozialem Wandel. Prozesse des E. beziehen sich auf solidarische Aktionen von oft marginalisierten Personen und Gruppen (z. B. Selbsthilfe). Durch gegenseitige Unterstützung (soziale Unterstützung) und soziale Aktion sollen diskriminierende Lebensbedingungen überwunden werden. Ergebnis dieser Prozesse ist meist die Aufhebung von Ohnmacht und ein gestärktes Selbstbewusstsein für die Betroffenen – also eine Umverteilung von Macht im Kleinen: Es entwickelt sich ein pos. und aktives Gefühl des «In-der-Welt-Seins»; es entwickeln sich Fähigkeiten, Strategien und Ressourcen (Ressourcen, gesundheitsbezogene) um aktiv und gezielt indiv. und gemeinschaftliche Ziele zu erreichen; es wird Wissen und Können erworben, das zu einem kritischen Verständnis der sozialen und politischen Verhältnisse und der eigenen sozialen Umwelt führt.

Grundlage für diese Perspektive sind Erkenntnisse aus einer Reihe wiss. Studien, nach denen eine wichtige Voraussetzung für körperliches und seelisches Wohlbefinden die Fähigkeiten und Möglichkeiten einer Person sind, ihr eigenes Leben selbst zu kontrollieren. Die Def. von Prozessen des E. fällt normalerweise nicht leicht und lässt sich eher über das Gegenteil erschließen: Machtlosigkeit, erlernte Hilflosigkeit oder Kontrollverlust sind Begriffe, die in der psychosozialen Arbeit sehr viel häufiger gebraucht werden als ihre pos. Gegenteile. Der Defizitblickwinkel psychosozialer Professionen wird dabei – auch i. S. der «positiven Ps.» – umgekehrt. E. beschreibt Prozesse von Einzelnen (Individuum), Gruppen und Strukturen hin zu größerer gemeinschaftlicher Stärke und Handlungsfähigkeit. Psychosoziale Praktiker können für deren Entdeckung im Alltag sensibel werden und sie gezielt fördern – etwa durch Bereitstellung von instrumentellen Hilfen (Räume, Finanzen etc.), ggf. durch Beratung von Personen, Gruppen oder Organisationen oder durch sozialpolitische Einflussnahme. Professionelle können auch aus der Analyse dieser Prozesse lernen, welche Bedingungen und Situationen E. fördern oder behindern. Professionelle Förderung von Prozessen des E. benötigt die Entwicklung eines sozialen Klimas und einer professionellen Haltung, die den Fokus der Arbeit auf vorhandene oder verschüttete Ressourcen und Kompetenzen lenkt. Solche Ressourcen sind nicht begrenzt und damit erweiterbar, wenn Ressourcen auf der indiv. Ebene mit denen der Gruppenebene oder den sozialen Strukturen verbunden werden. Der Anstoß von Prozessen des E. durch Professionelle erfolgt durch die Verknüpfungen versch. Ebenen – durch die Herstellung von Zusammenhängen. Eine professionelle Haltung des E. bedeutet immer die Arbeit im und am sozialen Kontext.

Erfolgreiche Prozesse des E. wirken über Erfahrungen (Erfahrung) der Selbstorganisation für Einzelne und Gruppen praktisch immer kompetenzfördernd. Professionelle dagegen müssen lernen, stärker als bisher die dafür fördernden Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen oder zu entwickeln, jedoch sich selbst nicht oder nur sehr vorsichtig in den Prozess einzumischen. Diese Haltung einer «Arbeit am und im sozialen Kontext» bedeutet, die Möglichkeiten zu verbessern, damit benachteiligte Menschen ihre Interessen besser vertreten können – und nicht diese Interessen für die «Betroffenen» zu vertreten. Dadurch werden Prozesse angestoßen, durch die die Zielgruppen von E. persönliche, organisatorische und gemeinschaftliche Ressourcen erhalten und sich erarbeiten, die sie befähigen, größere Kontrolle über ihr Leben auszuüben und ihre Ziele zu erreichen. E. als Grundlage psychosozialer Arbeit hat weitreichende Konsequenzen für ein professionelles und freiwilliges Engagement im psychosozialen und Gesundheitsbereich – bes. im Bereich vorbeugender, präventiver Ansätze (Prävention). Es verlässt die hierarchische oder paternalistische Ebene vieler sozialer und gesundheitlicher Dienstleistungen, die Hilfe für andere als Hilfe und Fürsorge für Schwächere ansieht. E. sucht und betont die weiterhin vorhandenen Stärken und Ressourcen, v. a. die Rechte von Hilfe- und Ratsuchenden, die in der traditionellen psychsozialen Arbeit oft vernachlässigt wurden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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