Engramm

 

(= E.) [engl. engram; gr. ἐν (en) innen, γράφειν (graphein) schreiben], [BIO, KOG], Gedächtnisspur, Neurogramm; (1) die von einem spezif. Gedächtnisinhalt hervorgerufene, dauernde, strukturelle bzw. elektrochem., physiol. Änderung im Gehirn. (2) Hypothetische Veränderung im Gehirn, die für die Gedächtnisspeicherung verantwortlich sein soll (Pinel, 1997). (3) Die im Gehirn in best. Weise gespeicherte Gedächtnisinformation (Birbaumer & Schmidt, 2010). E. gilt heute als allg. Begriff für die Codierung und Speicherung der im Laufe des Lebens erworbenen Erfahrung in den Neuronen des Gehirns. Die Summe der gespeicherten Engramme einer Person gilt als das biol. Substrat des menschlichen Gedächtnisses und ist die Basis der spezif. menschlichen Einzigartigkeit. Ein E. bez. zugleich auch alle einem spezif. Gedächtnisinhalt (die Erinnerung an eine Situation) zugrunde liegenden elektrochemischen Vorgänge (Kurzzeitgedächtnis) oder biochemischen Veränderungen (Langzeitgedächtnis) im Zentralnervensystem. Exp. ließ sich nachweisen, dass zunächst eine auf bioelektrischen Grundlagen beruhende Erinnerungsspur angelegt wird, die dann durch «Konsolidierung» in stabile und erstaunlich widerstandsfähige «Engramme» umgewandelt wird. Alle die Zellen, deren Aktivität zur Speicherung und Wiedergabe eines E. erforderlich ist, bilden nach der heute wieder aufgegriffenen Theorie von Hebb (1949) ein cell assembly. Dem entsprechen die von Lorente de No entdeckten reverberatorischen Neuronenkreise, in denen ein Erregungsmuster einige Zeit unvermindert zirkulieren kann (Eccles, 1973). Nach einer Zeit ungestörter Erregungszirkulation (Konsolidierungsphase) kommt es zu dauerhafteren Veränderungen in und an den synaptischen Verbindungen (Synapse) der Neurone. Für diese Langzeitspeicherungen werden heute insbes. Proteinbiosynthesemechanismen diskutiert. Bis zu einem gewissen Grade scheinen im Säugetiergehirn fast alle Hirnregionen, subkortikal und kortikal, Gedächtnisfunktionen zu besitzen. Die offenbar wichtigsten Hirnstrukturen sind der Hippocampus, das Cerebellum, die Amygdala und der zerebrale Kortex (Cortex cerebri). Die in den sekundären Zentren der Willkürmotorik in den Feldern vor der vorderen Zentralwindung im Gehirn gewissermaßen deponierten «Muster» für zus.hängende Bewegungsfolgen werden auch als E. bez.

Verwendete Literatur

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