Entscheiden unter Unsicherheit

 

(E. u. U.) [engl. decision making under uncertainty], [KOG], ist zu unterscheiden von Entscheiden unter bekannten Risiken [engl. decision making under risk]. Von Entscheiden unter Risiko spricht man, wenn alle Optionen, Konsequenzen und Wahrscheinlichkeiten bekannt sind oder zuverlässig empirisch geschätzt werden können. Bsp. sind Lotterien und Roulette, wo man die Wahrscheinlichkeiten durch das physikal. Design oder durch relative Häufigkeiten kennt. Sind nicht alle Alternativen, Konsequenzen oder Wahrscheinlichkeiten bekannt, spricht man von E. u. U. (auch: Ungewissheit). Bsp. sind: Welchen Beruf soll ich wählen? Wen heiraten? Wo investieren? Die Unterscheidung zw. Risiko und Unsicherheit wird dem Ökonom Frank Knight zugeschrieben.

Während für Entscheidungen unter Risiko stat. Denken und Logik ausreichend ist, benötigt man für E. u. U. mehr, z. B. Entscheidungsheuristiken. Werden Heuristiken unbewusst verwendet, spricht man von Intuition. Heuristiken sind Strategien, die nicht alle Information gewichten und addieren, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren und den Rest der Information ignorieren. Anders als bei bekannten Risiken können Heuristiken bei E. u. U. zu genaueren Vorhersagen führen als komplexe, stat. Strategien. Die Analyse der ökologischen Rationalität beschreibt die Struktur der Umwelt, in der dieser «Weniger-ist-mehr»-Effekt auftritt.

Bei E. u. U. ist Optimierung per Def. unmöglich, d. h. die beste Strategie zu finden und das auch beweisen zu können. Die Studie der ökologischen Rationalität kann jedoch komparative Aussagen machen, etwa welche von zwei Strategien besser in einer Umwelt abschneidet. Statt Optimierung spricht man von Robustheit: eine kogn. Heuristik ist robust, wenn sie trotz einer unsicheren Zukunft und möglicher Überraschungen eine gute Chance zum Erfolg hat. Robustheit kann durch Einfachheit, Redundanz und Ignorieren von Information erzeugt werden. Das Bias-Varianz-Dilemma aus der Statistik gibt eine math. Formulierung dafür, wie einfach eine Heuristik sein sollte.

Einige Vertreter der subj. Wahrscheinlichkeitstheorie unterscheiden nicht zw. Risiko und Unsicherheit. Sie gehen davon aus, dass man Verhalten immer so modellieren kann, als ob sich Menschen auf der Grundlage subj. Wahrscheinlichkeiten entscheiden würden, selbst wenn die Wahrscheinlichkeiten nicht bekannt sind. Aus dieser Sicht ist math. Wahrscheinlichkeit das einzige Werkzeug, das Menschen benötigen − im Ggs. zu der Sichtweise, dass rationales Verhalten ein Repertoire von Werkzeugen benötigt (adaptive toolbox). Entscheidenkognitive Fehler.

Referenzen und vertiefende Literatur

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