Entwicklung der Geschlechtsidentität

 

(= E. d. G.) [engl. development of gender identity], [EW, PER], umfasst sowohl körperliche, als auch psychosoziale Asp. Sie hat ihren Anfang in der Festlegung des genetischen Geschlechts, welches bereits ab ca. der 5. Schwangerschaftswoche zur Ausdifferenzierung männlicher oder weiblicher Geschlechtsmerkmale und im nachgeburtlichen E.verlauf zu festgelegten biol. gesteuerten E.schritten (z. B. hormonellen Veränderungen zu Beginn und im Verlauf der Pubertät) führt. Gleichzeitig findet eine umfassende kogn. (Kognition), affektive (Affekt) und verhaltensbezogene E. d. G. statt, die in ihrem Verlauf von versch. sozialen und indiv. Faktoren beeinflusst wird. Bereits in den ersten beiden Lebensjahren werden dabei die Grundlagen für geschlechtstypisches Wahrnehmen, Kategorisieren und Bewerten gelegt und Kinder sind z. B. schon sehr früh dazu in der Lage, erwachsene männliche und weibliche Stimmen oder Gesichter zu unterscheiden. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres können Kinder die beiden Geschlechter sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern gut unterscheiden und besitzen ein zumindest rudimentäres Wissen über Geschlechterstereotype (z. B. Interessen, Gegenstände oder Verhaltensweisen, die zu den Geschlechtern passen). Häufig zeichnen sie sich auch in ihrem Spielverhalten durch geschlechtstypische Aktivitäten und Spielzeugpräferenzen aus. Im Verlauf der Kindergartenzeit kommt es zu einem zunehmenden Erkennen der Unterschiede zw. männlich und weiblich und einer ersten Entwicklung von Geschlechtskonstanz, wobei jüngere Kinder eher noch nicht verstehen, dass es neben Unterschieden zw. den Geschlechtern auch Gemeinsamkeiten zw. den Geschlechtern und Unterschiede innerhalb eines Geschlechts geben kann. Je nach Entwicklungsstand werden Geschlechterstereotype (und damit verbundene Interessen, Vorlieben und Verhaltensweisen) daher eher rigide oder flexibel betrachtet. Mit Beginn des Schulalters wird die genitale Grundlage des Geschlechts als wesentliche Entwicklungsvoraussetzung für ein volles Verständnis der Geschlechtskonstanz erreicht. Es wird nun erkannt, dass neben Geschlechtsunterschieden auch Gemeinsamkeiten zw. beiden Geschlechtern sowie Unterschiede innerhalb eines Geschlechts existieren. Parallel dazu sind die Kinder auch besser in der Lage, zw. geschlechtstypischen und -neutralen Merkmalen zu unterscheiden. Doch auch wenn diese Differenzierung eine grundsätzliche Flexibilisierung bedeutet, bleibt die Bedeutung der Geschlechterkategorien insbes. in selbstbezogenen Bereichen (z. B. Selbstkonzept) zunächst weitgehend erhalten. In der Adoleszenz werden schließlich Fragen nach der eigenen Identität zentral (Wer bin ich? Was will ich werden? Wie sehen mich die anderen?). Und auch die zeitgleich auftretenden körperlichen Veränderungen (Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes, Eintreten der Geschlechtsreife) werden zu bedeutsamen Entwicklungsaufgaben: Es gilt den eigenen männlichen bzw. weiblichen Körper kennenzulernen und zu akzeptieren, eine sexuelle Orientierung auszubauen, erste sexuelle Beziehungen aufzubauen, sich mit gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen auseinanderzusetzen und zukunftsbezogene Entscheidungen (z. B. bzgl. Beruf, Partnerschaft, Familie) zu treffen. Geschlechtsdysphorie.

Verwendete Literatur

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