Entwicklung, handlungstheoretische Ansätze

 

(= h. A.) [engl. development, action theory], [EW], der h. A. geht davon aus, dass die Entwicklung durch bestimmte Aufgaben oder Tätigkeiten gefördert wird und sich durch das Setzen von Zielen vollzieht. Das menschliche Tun wird als Verhalten verstanden, dem Ziele und Absichten (Intention) zugrunde liegen. Der Mensch verändert durch absichtsvolle Handlungen seine Umwelt und verändert durch diese Erfahrung auch sich selbst. Menschen können also durch Setzen und Verfolgen von Zielen aktiv ihre Entwicklung steuern. Der h. A. wurde ursprünglich in der Motivationsps. angewendet. Unter der Entwicklungsperspektive wurde dieser überwiegend im höheren Alter (Psychologie des Alterns) genutzt, um die Veränderung von Zielen vor dem Hintergrund wichtiger Lebensübergänge wie dem Eintritt in den Ruhestand (Ruhestand, Anpassung an) oder dem Verlust wichtiger Ressourcen für die Erreichung persönlicher Ziele zu untersuchen. Allerdings sind bereits in den ersten Lebensmonaten die Anfänge des zielgerichteten bzw. absichtsvollen Handelns zu beobachten, und schon im zweiten Lebensjahr ist es kaum mehr möglich Verhaltensweisen zu beobachten, die nicht absichtsvoll sind. Deshalb scheint der h. A. auch für die kindliche Entwicklung ein wichtiger Erklärungsansatz zu sein. Im h. A. wird angenommen, dass ein Kind sein Leben und damit seine Entwicklung aktiv mitgestaltet. Dabei unterscheiden sich die Handlungen bzw. Aufgaben, die ein Kind bewältigt, je nach Lebensphase und Kultur (z. B. Jagen vs. Mathematik). Je nach Lebensphase stehen nur best. altersspezif. und durch biol. Faktoren begrenzte Handlungsoptionen zur Verfügung. Darüber hinaus unterscheiden sich versch. Kulturen deutlich im Bereich der relevanten Lerninhalte. In industrialisierten Kulturen spielen bspw. schulische Inhalte für die Entwicklung der Kinder eine zentrale Rolle. In nicht industrialisierten Kulturen ist hingegen die genaue Kenntnis der Umweltgegebenheiten sehr zentral. Ein bekanntes handlungstheoret. Entwicklungsmodell, das bisher typischerweise in der Forschung zum höheren Alter verwendet wurde, ist das SOK-Modell (Selektion, Optimierung und Kompensation, Modell der (SOK-Modell), Baltes & Baltes, 1990). Das Modell nimmt an, dass soziale, biol. und psych. Ressourcen eines Menschen in allen Lebensphasen begrenzt sind. Um diese optimal einzusetzen, werden drei Prozesse genutzt: die Selektion geeigneter Ziele, die Optimierung dieser Ziele durch gezielte Investition der vorhandenen Ressourcen und die Kompensation von Ressourcenverlust durch Heranziehen neuer Ressourcen oder Veränderung der Ziele. Insges. steht im Fokus des h.A. ein aktives Individuum, dass die eigene Entwicklung bedeutsam mitgestaltet. Dabei werden die Handlungsoptionen eines Menschen als ein Produkt aus biol. Voraussetzungen und Kultur gesehen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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