Entwicklung, lerntheoretische Ansätze

 

[engl. development, learning theory], [EW, KOG], der lerntheoretische Ansatz geht davon aus, dass Entwicklung primär das Ergebnis von Erfahrung ist. Ein Kind sammelt in der Interaktion mit seiner sozialen und materiellen Umwelt (soziale Interaktion) viele spezif. Lernerfahrungen (Lernen) und dies ermöglicht Entwicklung. Unter dem Begriff Lerntheorien (= L.) werden einige Theorien und Ansätze zus.gefasst, die sich in traditionelle Lerntheorie und die moderne soziale Lerntheorie einteilen lassen. In der traditionellen L. unterteilt man Lernen in zwei Typen: operante Konditionierung und klassische Konditionierung. Für beide Lerntypen wird die Bedeutung der Umwelt stark betont und die Verstärkung wird als zentrales Element der Verhaltenssteuerung betrachtet. Die Anhänger der sozialen L. erweitern diesen Ansatz um das Sozialverhalten und den sozialen Kontext. Außerdem wird ein weiterer Lerntyp, das Beobachtungslernen, angenommen. Das Konzept Beobachtungslernen ist bes. wichtig, um zu verstehen, wie im Laufe der Entwicklung neue und komplexe Verhaltensweisen erlernt werden. Ebenso wie die Vertreter der traditionellen L. betonen Vertreter der sozialen L. den Einfluss der Umwelt auf das Verhalten. Allerdings zählen sie nicht nur die Umwelt, sondern auch die Merkmale der Person und das Verhalten der Person zum gesamten Lernkontext. Diese drei Faktoren sind über den Prozess des reziproken Determinismus miteinander verbunden. Sie beeinflussen und steuern sich gegenseitig. Ob ein Kind, das beobachtet, wie ein anderes Kind im Bus von seinem Sitzplatz aufsteht, damit eine ältere Frau sich setzen kann, ein solches Verhalten selber auch zeigt, hängt von seinen eigenen Merkmalen (Hilfsbereitschaft, Altruismus, prosoziales Verhalten), den Merkmalen des anderen Kindes (sozialer Status), und der Umwelt (wird das Kind gelobt?) ab. Insges. stehen im Fokus der traditionellen und auch sozialen L. Veränderungsprozesse und nicht das Durchlaufen einzelner Entwicklungsstadien (Entwicklungsphasen, -stufen). Entwicklung wird hauptsächlich als ein Prozess quant. Veränderungen betrachtet und weniger als qual. Übergang von einem Stadium zum anderen. Ähnlich wie bei der Theorie Piagets (Entwicklung, Stufentheorie nach Piaget), wird in der modernen sozialen L. der Mensch als eher aktiv beschrieben: Der Mensch wirkt auf die Umwelt ein und diese wirkt wiederum auf ihn. Allerdings wird der Aktivität des Menschen weniger Bedeutung zugeschrieben, als dies bei Piagets Theorie der Fall ist.