Entwicklung, motivationale

 

(= m.E.) [engl. motivational development], [EM, EW], umfasst altersassoziierte Veränderungen von Motiven (Motiv) wie dem Kompetenzmotiv (Kompetenz), dem Autonomiemotiv (Autonomie) und dem Motiv nach sozialer Einbindung. Die E. des Kompetenzmotivs wurde v. a. i. R. der Leistungsmotivation untersucht. Säuglinge sind etwa ab dem dritten Lebensmonat zunehmend bestrebt, absichtsvolle Effekte herbeizuführen. Anfangs freuen sie sich an Effekten aber genauso, wenn diese stattdessen von anderen Personen herbeigeführt wurden. Gegen Ende des ersten Lebensjahres wollen Kinder Handlungsergebnisse selbst hervorbringen und reagieren neg. auf ungewollte Hilfen. Etwa im vierten Lebensjahr entsteht leistungsmotiviertes Handeln (Handlung), wenn Stolz und Scham Selbstbewertungen der Leistungen anzeigen (Leistungsmotivation, Selbstbewertungsmodell). Hier beginnen Kinder, sich bei anschaulichen Aufgaben Ziele aufgrund vorausgegangener Erfolge oder Misserfolge zu setzen und entwickeln somit ein Anspruchsniveau. Ab dem 8. Lebensjahr beginnen Kinder zw. Anstrengung und Fähigkeit als Determinanten der Leistung zu differenzieren und zu verstehen, dass man sich bei geringeren Fähigkeiten mehr anstrengen muss, um zum Erfolg zu kommen. Anspruchsniveau und Erfolgserwartungen werden zunehmend realistischer durch Nutzung sozialer und temporaler Vergleiche (sozialer Vergleich). Am Beginn der Schulzeit wird eine hohe Motivation in Bezug auf schulisches Lernen (Lernfreude) beobachtet. Diese sinkt im Verlauf der Schulzeit meist ab, ausgelöst durch zunehmende Empfänglichkeit für neg. Leistungsrückmeldungen, wachsenden Leistungsdruck und steigende außerschulische Interessen. In theoret. Ansätzen wird oft zw. zwei Gründen unterschieden, um in Leistungssituationen erfolgreich zu sein, wie der Lernzielorientierung (seine Fähigkeiten zu erhöhen) und der Leistungszielorientierung (im Vergleich zu anderen gut abzuschneiden). Die Letztere gewinnt in der späten Kindheit und im Jugendalter (Adoleszenz) an Bedeutung, wenn zunehmend soziale Vergleiche zur Leistungsbewertung herangezogen werden. Das Autonomiemotiv beinhaltet das Bestreben, eigene Ziele und Vorgehensweisen selbst zu bestimmen. Ein hohes Autonomiestreben wird in der Trotzphase vom 2.–4. Lebensjahr und im Jugendalter (i. R. der Individuation) beobachtet. Die Fähigkeit, eigene Ziele zu verwirklichen, steigt bis in das mittlere Erwachsenenalter. Im späten Erwachsenenalter erfordern nachlassende Handlungsressourcen, zunehmend auf externe Hilfen zurückzugreifen und unerreichbare Ziele aufzugeben (Psychologie des Alterns). Die E. des Motivs nach sozialer Einbindung wird i. R. der Theorie der sozioemotionalen Selektivität beschrieben. Die Suche nach Kontakten, welche neues Wissen liefern, nimmt im Erwachsenenalter als Reaktion auf die abnehmende verbleibende Lebenszeit ab. Parallel dazu gewinnen emot. nahestehende Kontakte an Bedeutung, die unmittelbare Befriedigung bringen. Neben den bisher beschriebenen universellen E.prozessen gibt es differenzielle E., etwa in Abhängigkeit von der Stärke des Leistungsdrucks und der Förderung von Autonomie. Deutliche interindiv. Unterschiede zeigen sich bei der E. von Interessen. Mit Interessen sind auf spezif. Gegenstände oder Aktivitäten bezogene Motive gemeint. Deren E. vollzieht sich von durch äußere Anreize ausgelösten Interessen (Interesse, situationales) zu verinnerlichten Interessen (Interesse, individuelles). Kinder entwickeln zuerst universelle Interessen, die dann relativ schnell spezif. werden und zu interindiv. Unterschieden führen. Die Persistenz der Interessen ist abhängig davon, wie weit die Beschäftigung mit dem Interessengegenstand als befriedigend erlebt wird.

Referenzen und vertiefende Literatur

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