Entwicklungspsychologie, personenorientierte

 

(= p. E.) [engl. person-oriented developmental psychology], [EW], das von Lars Bergman und David Magnusson (1997) formulierte Hauptpostulat der personenorientierten Forschung beinhaltet, dass Struktur und Entwicklung von Verhalten zumindest teilweise individuumspezif. sind. Alexander von Eye und Lars Bergman (2003) haben das Postulat der dimensionalen Identität hinzugefügt, nach dem Verhalten über Personen, Zeit oder Situationen mit Messskalen nur verglichen werden kann, wenn die Skalen in allen Parametern identisch sind. Implikationen für die angewandte Entwicklungspsychologie ergeben sich daraus, dass (1) Individuen sich in ihren E.verläufen unterscheiden können, (2) Eigenschaften von Messinstrumenten möglicherweise über Personen, Zeit oder Situationen variieren und (3) Interventionsmaßnahmen auf das Individuum maßgeschneidert werden müssen, anstatt von der Annahme universeller E.phänomene ausgehen zu können. Implikationen für die Forschung ergeben sich erstens daraus, dass (Teil-)Populationen bereits vor einer Untersuchung definiert oder postuliert werden müssen, weil Generalisierungen auf Gesamtpopulationen den Effekt haben können, dass die resultierenden Aussagen auf keine der Teilpopulationen oder auf keine der beschriebenen Personen mehr zutreffen. Teilpopulationen sind unterschiedlich groß und können u. U. aus nur einer Person bestehen. Zweitens müssen Stichproben gezogen werden, die die Teilpopulationen repräsentieren. Jede dieser Stichproben muss so groß sein, dass sie stat. analysiert werden kann. Drittens müssen Methoden der Datenanalyse zur Anwendung kommen, die personenorientierte Aussagen erlauben. Bsp. solcher Methoden sind die Konfigurationsfrequenzanalyse (KFA), Cluster-Analyse, Modelle der Item-Response-Theorie, Mischverteilungsmethoden (Mischverteilungsanalyse) und – mit Einschränkungen – Mehr-Gruppen-Strukturgleichungsmodelle. Die Ergebnisse personenorientierter Forschung sind valider und reliabler als die Ergebnisse, die auf Aggregatniveau erzielt werden. Individuen werden nicht Populationen zugeordnet, denen sie nicht angehören. Populationen sind in der p. Forschung homogener als typisch für die Forschung auf Aggregatniveau. Bsp.ergebnisse der p. E. zeigen z. B., dass die soziale Anpassung von Jugendlichen in Kurven beschrieben werden muss, die sich in allen Parametern unterscheiden können, dass Gewalt von Intimpartnern extrem unterschiedliche kogn. und emot. E.verläufe bei Opfern und ihren Kindern nach sich ziehen kann oder dass die E. devianten Verhaltens in Timing, Verlauf und Dauer gruppenspezifisch ist.

Verwendete Literatur

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