Entwicklungsstörungen, tiefgreifende; Psychopharmakotherapie

 

[engl. pervasive developmental disorders, psychopharmacotherapy], [KLI, PHA], Die Kern- und komorbiden Symptome der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (= t. E.s.) können eine psychopharmakol. Behandlung erforderlich machen. So lässt sich die Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit durch Psychostimulanzien und Atomoxetin beeinflussen. Bei Impulsivität, verbaler oder körperlicher Aggression wird der Einsatz von Psychostimulanzien, Atomoxetin und atypischen Antipsychotika empfohlen und bei Autoaggression sowie rigidem, repititivem und stereotypem Verhalten atypische Antipsychotika (vgl. Sinzig & Schmidt, 2013). Als einziges Antipsychotikum ist Risperidon zur «symptomatischen Kurzzeitbehandlung (bis zu 6 Wochen) von anhaltender Aggression bei Verhaltensstörung bei Kindern im Alter ab 5 Jahren und Jugendl. mit unterdurchschnittlich intellektueller Funktion oder mentaler Retardierung» zugelassen. Eine Behandlungsdauer von länger als sechs Wochen ist off-label; die Indikation zur medikamentösen Behandlung sollte immer wieder überprüft werden. Umfangreiche Erfahrungen in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen existieren auch für Aripiprazol. Die Substanz ist in den USA seit 2009, nicht jedoch in der EU, für die Behandlung der mit autistischen Störungen assoziierten Reizbarkeit, eingeschlossen Aggressionen gegen andere, selbstverletzendes Verhalten, Wutanfälle und Stimmungsschwankungen bei Pat. im Alter von 6–17 Jahren zugelassen. Kontrovers wird die Anwendung von selektiven Serotonin-Rückaufnahmehemmern in dieser Pat.gruppe beurteilt. Während es Berichte über pos. Wirkungen bei impulsivem Verhalten gibt, werden auch Zunahmen von Aggressivität und Hyperaktivität beobachtet. Zudem ist bei Kindern und Jugendlichen auf die Gefahr der Induktion von Suizidgedanken und -impulsen (Suizidalität unter Psychopharmakotherapie) durch Antidepressiva bes. zu achten. Eine interessante, derzeit jedoch noch exp. Entwicklung ist die Anwendung von Oxytocin zur Verbesserung sozialen Kontaktverhaltens i. R. von autistischen Störungen.

Verwendete Literatur

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