epistemologische Überzeugungen

 

(= e. Ü.) [engl. epistemological beliefs], Epistemologie, [KOG, PÄD], sind die Annahmen einer Person über die Herkunft, Gewissheit, Struktur und Rechtfertigung von Wissen. In den Anfängen der Forschung zu e. Ü. wurden zunächst Entwicklungsverläufe von e. Ü. untersucht. Dabei wurden versch. Stadien in der Entwicklung herausgearbeitet, von dualistischen e. Ü. («Es gibt eine Wahrheit») über relativistische e. Ü. («Wissen ist subj., daher gibt es keine Wahrheit, nur Meinungen») bis hin zu evaluatistischen e. Ü. («Wissen ist subj., kann aber mehr oder weniger gut begründet sein»). Spätere dimensionale Modelle von e. Ü. nehmen an, dass sich die anhand von Dimensionen wie etwa der Struktur, Stabilität und Quelle von Wissen sowie der Kontrolle und Geschwindigkeit des Wissenserwerbs unterscheiden. Häufig wird davon ausgegangen, dass es zwar keine in sich abgeschlossenen Stadien gibt, die Dimensionen jedoch theorieförmig aufeinander bezogen sind. Neuere Modelle bezweifeln, dass Menschen über stabile, situationsübergreifende e. Ü. verfügen. Sie gehen davon aus, dass Menschen über best. Ressourcen i. S. semantischen Wissens (z. B. Metapher und Analogien; Schließen, analoges) verfügen, die je nach Situation aktiviert werden. Es konnte gezeigt werden, dass e. Ü. ein wichtiger Faktor in der Informationsverarbeitung sind. Personen mit komplexeren e. Ü. planen ihre eigenen Lernprozesse besser, verarbeiten Informationen umfassender und argumentieren differenzierter. Lehrkräfte mit komplexeren e. Ü. nutzen häufiger Lernarrangements, in denen eine kritische und tiefenorientierte Auseinandersetzung mit dem Lernstoff gefördert wird. Allerdings liegen teils auch inkonsistente Befunde vor. I. d. R. verfügen Menschen mit höherem Bildungsniveau über komplexere e. Ü., wobei die Komplexität und Differenziertheit der e. Ü. je nach Inhaltsdomäne durchaus variieren kann.

Verwendete Literatur

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