ereigniskorrelierte Hirnpotenziale, EKP

 

[engl. event-related potential, ERP], [BIO, DIA], stellen den Anteil der auf der Kopfhaut messbaren elektrischen Spannungsschwankungen der kortikalen Apikaldendriten dar, der vor, während und nach einem sensorischen, motorischen oder sonstigen mentalen Ereignis zeitsynchron und phasenstarr auftritt. Das EKP wird über Mitteilung von Zeitabschnitten des EEGs (Elektroenzephalografie, EEG) gewonnen, denen äquivalente Ereignisse zugrunde liegen. Dadurch können die auf das Ereignis bezogenen systematischen Spannungsveränderungen über die Zeit hinweg abgebildet werden. Der Verlauf dieser Spannungsschwankungen enthält charakteristische Gipfel und Täler, die als EKP-Komponenten bez. werden. Zur Nomenklatur der Komponenten werden i. d. R. (1) die Polarität (N = neg., P = pos.) in Bezug auf einen Referenzpunkt und (2) die Latenz zum Zeitpunkt des Auftretens des Gipfels oder Tals in ms bzw. die Ordnungszahl der Komponente verwendet (z. B. N1 als erste neg. Komponente oder P300 für den pos. Gipfel mit der Latenz 300 ms). Zusätzlich wurden eine Reihe weiterer EKP-Komponenten definiert (z. B. ERN, FRN, CNV, MMN). Im EKP lassen sich zwei Arten von Komponenten unterscheiden: (1) von physikal. Reizeigenschaften abhängige, exogene EKP-Komponenten, die oftmals als Indikatoren für die Integrität eines Sinnessystems genutzt werden (z. B. Latenz der P100 im visuell evozierten EKP bei multipler Sklerose), und (2) psych. Prozesse indizierende, endogene EKP-Komponenten. Wird z. B. in einer Reizfolge ein abweichender, neuer oder seltener Zielreiz gezeigt (Oddball-Paradigma), kann die nachfolgende pos. Welle (P300) als Indikator der Bedeutung bzw. Neuheit des Reizes gelten. Bei Verletzungen von Erwartungen bzgl. des semantischen Zusammenhangs in einem Stimulussatz weist die neg. Auslenkung nach 400 ms (N400) charakteristische Veränderungen auf. Neuere Auswertungsmethoden erlauben darüber hinaus Zeit-Frequenz- und Kohärenzanalysen der ereigniskorrelierten Hirnaktivität. Elektrodiagnostik, Herzschlag-evoziertes Potenzial (HEP), Respirations-assoziiertes evoziertes Potenzial.

Referenzen und vertiefende Literatur

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