Ergotropie

 

[engl. ergotropic; gr. έργον (ergon) Arbeit, Wirken, τροπη (trope) Wendung, Einwirkung], [BIO], nach W. R. Hess (1938) die im allg. Sinne einer Leistungssteigerung des Individuums ausgerichtete Wirkung des Sympathikus (adrenerges System), im Ggs. zum parasympathischen (cholinergen) Nervensystem, das hingegen der Schonung und Erholung des Individuums dient und als trophotrop bez. wird. Die ergotrope Reaktion beinhaltet eine erhöhte Aktivität. Diese führt zur Steigerung der Herzfrequenz und des Blutdrucks (verbesserte Durchblutung leistungsbezogener Organe, z. B. Skelettmuskulatur), zur Konstriktion der Hautgefäße (verminderter Blutverlust bei Verletzung), zum Nachlassen der Akkommodation und zur Pupillenerweiterung (erhöhter Lichteinfall ins Auge), ferner zur Schwellenerniedrigung in der Formatio reticularis (Gehirn) (erhöhte Aufmerksamkeit) sowie zu Konzentrationserhöhung von Blutzucker und freien Fettsäuren (Steigerung des Energieangebotes im Blut). Insges. auch als Notfallfunktion bez. Der von R. Hess geprägte Begriff der ergotropen Reaktion geht davon aus, dass der kaudale Hypothalamus die Körperenergien und das Leistungsvermögen durch eine allg. Aktivierung des sympathischen Systems steigert, was impliziert, dass der Hypothalamus aus zwei funktionell versch. Systemen besteht. Das gesamte Konzept erscheint jedoch aus heutiger Sicht zu allg., um die versch. Funktionen des Hypothalamus erklären zu können. Eine ähnliche, aber noch weniger gut untersuchte Unterscheidung psychophysiol. Reizbeantwortung hatten schon früher im Jahre 1910 H. Eppinger und L. Hess mit den Begriffen Sympathikotonie und Vagotonie eingeführt.

Referenzen und vertiefende Literatur

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