Erwartung

 

[engl. expectancy], [EM, KOG, SOZ], Erwartungen (= E.) sind Kognitionen, die in unseren Person-Umwelt-Interaktionen häufig vorkommen und auch Auswirkungen auf weitere psych. Prozesse haben. Sie drücken die Vorwegnahme von oder auch die Vorausschau auf künftige Ereignisse aus und implizieren oft eine Wahrscheinlichkeitseinschätzung ihres Eintretens. E. spielen bei versch. psychol. Themen eine Rolle. Für den Grundlagen- und Methodenbereich konnte gezeigt werden, dass sich die Vp (und sogar Versuchstiere) oft i. S. der E. des Vl verhalten (Rosenthal-Effekt). Auch der Placebo-Effekt beruht auf E. Personen können eine Maßnahme als wirksam erleben und sich gesund fühlen, obwohl sie eine unspezifische Behandlung oder ein chemisch unwirksames Medikament erhalten haben. Im Bereich der sozialen Kognition gibt es vielfältige Belege über die Auswirkungen von E. Eine Person, die vor der Interaktion als kühl vs. warmherzig eingeführt wurde, wird in Abhängigkeit von dieser Vorinformation gänzlich unterschiedlich wahrgenommen und bewertet, nämlich eher neg. vs. eher pos. E. können sich auch auf Stereotype beziehen, die über best. Gruppen der Gesellschaft gehegt werden. Über Mechanismen der selektiven Wahrnehmung und der Scheinkorrelation führen sie oft bei Begegnung mit einem Mitglied einer solchen Gruppe zur Bestätigung des Stereotyps. Sollten sie bei einer Person aus dieser Gruppe einmal nicht zutreffen, so werden situative Bedingungen als Ursache des (abweichenden) Verhaltens attribuiert, oder das wahrgenommene Verhalten wird als Ausnahme etikettiert. Ein weiterer auf E. basierender Effekt ist die sich selbst erfüllende Prophezeiung (self-fulfilling prophecy). Vorhersagen über zukünftige Handlungsresultate bei anderen Personen können das Verhalten der betreffenden Personen so stark beeinflussen, dass das Erwartete wirklich eintritt. Ein Bsp. stellt die klassische Rosenthal-Studie dar, in der dem Lehrer nach Zufall Schüler benannt wurden, bei denen mit Intelligenzzugewinnen (Intelligenz) in der Zukunft zu rechnen sei. Die E. traten ein: Die IQ-Werte (Intelligenz) dieser Schüler steigerten sich in der Zukunft. Diese Effekte waren dem Verhalten der Lehrer gegenüber genau diesen Schülern zuzuschreiben: sie widmeten ihnen mehr Aufmerksamkeit, lobten sie eher etc. Diese Prozesse waren den Lehrern allerdings wohl nicht bewusst. Auch innerhalb von Motivationsprozessen kommt E. große Bedeutung zu, nämlich in der Einschätzung, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein best. angepeiltes Handlungsergebnis eintreten wird, wenn ich mich anstrenge (Handlungsergebniserwartungen). Es könnte aber auch sein, dass das Ergebnis allein aufgrund situativer Bedingungen ohne eigenes Zutun eintritt (Situations-Ergebnis-Erwartung). Der Lehrer hat sich bereits vor der Leistung ein Urteil über den Schüler gebildet. Dann braucht der Schüler nichts mehr zu tun. Auch dürfte für das Handeln entscheidend sein, ob das Handlungsergebnis weitere Folgen nach sich zieht (Ergebnis-Folge-Erwartungen oder Instrumentalitäten). Ein gutes Abschlussexamen erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Berufskarriere. Weiter werden sog. Kontrolle. angenommen und untersucht, etwa die generalisierte E. einer Person im Hinblick auf ihr Problembewältigungsverhalten (Selbstwirksamkeitserwartung) oder die generalisierte Erwartung künftiger pos. oder neg. Lebensentwicklungen (Optimismus oder Pessimismus).

Referenzen und vertiefende Literatur

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