Erzieher-Kind-Bindung

 

(= E.) [engl. teacher/educator-childattachment], [PÄD], ist − wie jede andere Bindung − die besondere Form einer Beziehung, die sich durch emot. Sicherheit und Vertrautheit auszeichnet und mit nur wenigen Personen entsteht. Zwar werden Bindungen primär in der Familie erworben, können sich jedoch auch auf signifikante andere Personen im Umfeld des Kindes ausdehnen (sekundäre Bindungen). Zum Aufbau einer Bindung muss die Betreuungsperson jedoch wesentlich beitragen, wofür deren Verfügbarkeit und Sensitivität grundlegend sind. Richtet ein irritiertes Kleinkind sein Verhalten auf einen Erzieher in Form von Nähe-Suchen und Kontakt-Erhalten aus, so ist eine Bindung entstanden, die als sog. sichere Bindung bekannt ist und einen hohen Funktionswert insbes. für die Emotionsregulation, das Erkundungsverhalten, das Sozialverhalten des Kindes u. v. m. hat (Ahnert, 2004). E. zeigen jedoch i. Ggs. zu Mutter-Kind-Bindungen einige Besonderheiten, die neben zuwendenden, sicherheitsgebenden und stressreduzierenden Aspekten auch Unterstützung und Hilfen beim kindlichen Erkunden und Erwerb von Wissen einschließen. Im Kontrast zu einer i. d. R. ungeteilten mütterlichen Aufmerksamkeit für das Kind muss der Erzieher jedoch eine Kindergruppe beaufsichtigen, innerhalb derer er dann Bindungsbeziehungen entwickeln kann. Dies erfordert jedoch einen völlig anderen Prozess des Bindungsaufbaus und seiner Aufrechterhaltung, als dies von einer Mutter bekannt ist (Eltern-Kind-Beziehung). Forschungsstudien zeigen (Ahnert, 2010), dass sichere E. in jenen Kindergruppen entstehen, in denen die Gruppenatmosphäre durch ein empathisches Erzieherverhalten (Empathie) best. wird, das gruppenbezogen ausgerichtet ist und über prosoziale Interaktionen die Gruppendynamik reguliert. Die Bedürfnisse eines jeden einzelnen Kindes können dabei nur selektiv, müssen jedoch zum richtigen Zeitpunkt bedient werden. Weil darüber hinaus der kindliche Beitrag zum Bindungsaufbau mit zunehmendem Alter schwächer wird und auch geschlechtsabhängig ausfällt, gehen jüngere Kinder häufiger als ältere und Mädchen häufiger als Jungen sichere E. ein.

Verwendete Literatur

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