evidenzbasierte Behandlung

 

(= e. B.) [engl. evidence-based treatment], [GES, KLI], ist ein Paradigma in der Gesundheitsversorgung, nach dem patientenorientierte Behandlungsentscheidungen auf Basis empirisch belegter Wirksamkeit (Evidenzbasierung) erfolgen sollen. Der Begriff wurde Anfang der 1990er-Jahre in der Med. geprägt [evidence-based medicine], ist aber zunehmend auch für die psychoth. Versorgung bedeutsam. Ziel ist, Pat. bzw. Angehörige unter Nutzung des akt. wiss. Forschungsstandes über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und damit eine informierte und partizipative Entscheidungsfindung zu ermöglichen. E. B. verlangt vom Behandler neben klin. Fachkompetenz wiss. Methodenkompetenz, um die Passung von Empfehlungen aus Behandlungsleitlinien für den Einzelfall prüfen oder die bestverfügbare Evidenz durch Literaturrecherche und -bewertung selbst bestimmen zu können. Abhängig von der Güte der Befunde klin. Studien werden Evidenzebenen unterschieden, die sich in der Qualität der Wirksamkeitsnachweise unterscheiden. Diese Nachweise können von systematischen Überblicksarbeiten zu RCTs (randomisierte kontrollierte Studie) über einzelne RCTs bis hin zu Fallberichten oder Expertenurteilen reichen. Sie sind die Grundlage für die Bestimmung der Empfehlungsstärke für eine Therapie. Systematisch zus.gefasst sind diese Behandlungsempfehlungen in Behandlungsleitlinien. Kritikpunkte an der e. B. sind die Überbewertung von Forschungsdesigns mit randomisierten kontrollierten Studien und ihre unzureichende Realisierbarkeit bei komplexen Behandlungen (Evaluation komplexer Interventionen) wie der Psychotherapie, die Unterschätzung der Bedeutung klin. Erfahrung bei der Entscheidungsfindung, die Verzerrung von Befunden aufgrund des publication bias sowie die ggf. kritische praktische Bedeutsamkeit e. Empfehlungen für komplexe Fallkonstellationen.

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.