Fälschung(-sverhalten)

 

(= F.) [engl. faking (behavior)], [DIA, PER]. Zu F. gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Def. Folg. Kernmerkmale von F. sind dabei meist enthalten, aber unterschiedlich gewichtet: (1) F. ist mit einem gewissen Grad an Täuschung assoziiert (d. h., es geht darum in der Testsituation nicht ehrlich zu sein), (2) F. ist ein Verhalten und keine Persönlichkeitseigenschaft (d. h. Personen zeigen in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich viel F.; Persönlichkeitsmerkmal), (3) F. beinhaltet eine Interaktion indiv. (z. B. Persönlichkeitseigenschaften) und situativer Charakteristika (z. B. Merkmale der Testverfahren), (4) F. ist zielorientiert und -motiviert (z. B. Arbeitsvertrag, Frühverrentung, Hafterleichterung erhalten), (5) F. ist intentional (d. h. es handelt sich um einen bewussten sowie vorsätzlichen Prozess); es unterscheidet sich damit von anderen Phänomenen der Antwortverzerrung (response set), die etwa auf Unterschieden in Testmotivation oder in Testangst basieren können, (6) F. ist auf andere Personen bezogen (d. h. es geht darum, bei anderen Personen einen best. Eindruck zu provozieren); F. unterscheidet sich dadurch vom Phänomen der Selbsttäuschung, (7) F. kann zu verzerrten und inakkuraten Eindrücken führen (z. B. überhöhte Einstufung der Kompetenz, verringerte Schuldfähigkeit).

Ziegler et al. (2012) def. F. bspw. als Antworttendenz, die darauf abzielt, ein best. Bild der eigenen Person zu vermitteln und so ein persönliches Ziel zu erreichen (Eindrucksbildung). Diese wird durch Personen- und Situationsmerkmale aktiviert und führt zu systemat. Veränderungen in den Testwerten, welche nicht durch das zu messende Konstrukt hervorgerufen werden. Je nach Ziel und Kontext wird F. weiter spezifiziert. Im Persönlichkeitskontext ist es üblich zw. der Fälschung eines erwünschten Eindrucks (faking good) und der Fälschung eines unerwünschten Eindrucks (faking bad) zu unterscheiden. Im klin. Kontext wird zw. dem Vortäuschen von Symptomen, Krankheiten oder Schwächen (Simulation), dem Übertreiben/Ausschmücken von Symptomen, Krankheiten oder Schwächen (Aggravation) und dem Verbergen von Symptomen, Krankheiten oder Schwächen (Dissimulation) unterschieden. Eine v. a. in der Forschung genutzte Möglichkeit ist die Unterteilung in Fälschung in Richtung niedriger bzw. hoher Testwerte.

Antezedenzien und Konsequenzen von F., sowie erfolgreiche Möglichkeiten zu dessen Prävention und Detektion sind Gegenstand intensiver Forschung. In F.-Modellen werden diverse situative und indiv. Antezedenzien postuliert, wobei ein Mindestmaß an Motivation und Fähigkeit für erfolgreiches F. erforderlich ist. Empir. Studien zeigen, dass F. durch Faktoren wie Art des zu verfälschenden Testverfahrens, Wissen/Nichtwissen um adäquate F.strategien und F.ziel beeinflusst wird (Röhner et al., 2011). Aufgrund widersprüchlicher Befunde bzgl. der Konsequenzen von F. lassen sich neg. Auswirkungen von F. auf stat. und diagn. Kennwerte (z. B. Mittelwerte, Rangreihe, Reliabilität und Validität) sowie Entscheidungen nicht ausschließen. Ansätze für Präventions- und Detektionsmethoden von F. sind vielfältig und -versprechend, werden jedoch noch intensiv beforscht. Beschwerdenvalidierung, Täuschungsstrategien.

Verwendete Literatur

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