Familiensystem, Interaktion

 

[engl. family system, interaction], [EW, PÄD, SOZ], Interaktionen innerhalb des Familiensystems sind Handlungen (Handlung) der Beteiligten, die aufeinander bezogen sind und sich so wechselseitig beeinflussen (Interdependenz, soziale). Sie sind von den bestehenden sozialen Beziehungen geprägt und tragen zur weiteren Gestaltung und Entwicklung der Beziehungen bei, etwa in der Adoleszenzphase der Kinder durch Aushandlungsprozesse zw. den Jugendlichen und ihren Eltern, die das Ausmaß des Machtgefälles und die Balance von Autonomie (Autonomieentwicklung) und Verbundenheit (Bindung, Ablösung) betreffen. Dabei ist das wesentliche Medium die Kommunikation. Wechselseitige Einflüsse auf Wahrnehmungen, Deutungsmuster und Verhalten können situativer Natur sein oder nachhaltiger mit Auswirkungen, die über die Situation hinaus weisen, wie etwa in Prozessen der familialen Sozialisation. Aus Sicht der Familiensystemtheorie ist neben der grundsätzlich gegebenen Wechselseitigkeit in Interaktionen hervorzuheben, dass neben den in anderen Ansätzen typischerweise fokussierten Interaktionen zw. Individuen, also den einzelnen Familienmitgliedern, auch solche mit und zw. Systemelementen auf höheren Ebenen postuliert werden, bspw. zw. der Elterndyade und einem Kind oder zw. der Elterndyade und den Kindern (Geschwisterdyade, -triade … (Eltern-Kind-Beziehung, Geschwisterbeziehungen)). Sie sollen gleichzeitig immer auch Rückwirkungen auf die jew. nicht direkt beteiligten Systemelemente haben, wie etwa Eheprobleme auf das Erziehungsverhalten (Erziehung) der Elternteile gegenüber ihrem Kind. Ein weiteres Postulat betrifft die homöostatische Tendenz des Familiensystems; es wird angenommen, dass Interaktionen bis zu einem gewissen Punkt dem Erhalt des gegebenen Systemzustands dienen und erst dann, wenn diese Schwelle durch die auftretenden Herausforderungen überschritten wird, eine Umgestaltung einsetzt, die in einen neuen Balancezustand mündet; ein Bsp. wäre bei hochbelasteten Ehebeziehungen die Trennung der Eltern und der Auszug eines Elternteils aus der Haushaltsgemeinschaft (Modell ehelicher Stabilität). Neben ihrer Bedeutung innerhalb der Familienforschung haben die familiensystemtheoretische Perspektive und der Fokus auf Familieninteraktionen einen bedeutsamen Einfluss auf Familien- und Erziehungsberatung sowie in der Familientherapie.

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