Farbenmischung

 

(= F.) [engl. color mixture], [WA], additive F., jede Kombination von zwei oder mehr Farben, aus der eine best. neue Farbe entsteht. Solche Kombinationen können auf versch. Weise erzeugt werden: (1) Verschiedenfarbige Lichter werden an der gleichen Stelle gleichzeitig erzeugt (Farbenmischapparat, Projektoren mit farbigen Lichtern); (2) verschiedenfarbige Lichter werden nacheinander in so schneller Folge an der gleichen Stelle erzeugt, dass ein ruhender Lichteindruck entsteht (Flimmerverschmelzungsfrequenz, Talbot’sches Gesetz. Geräte: Flimmergeräte, Farbkreisel); (3) verschiedenfarbige Punkte werden so dicht nebeneinander gesetzt, dass bei Betrachtung aus hinreichender Entfernung eine einheitliche Farbe gesehen wird (Buntdruck, Computermonitor). Für alle diese Mischoperationen gelten die gleichen Gesetze in Bezug auf das Aussehen des Gemisches (s. u.). Von subtraktiver F. spricht man, wenn das Aussehen eines Lichtes durch Fortnehmen best. Strahlungskomponenten verändert wird. So wird z. B. ein aus allen Lichtern des Spektrums zus.gesetztes Weiß farbig, wenn es durch einen Filter geschickt wird oder auf eine best. geartete Oberfläche fällt. In beiden Fällen werden je nach Beschaffenheit des Filters oder der Oberfläche Strahlungen absorbiert und andere durchgelassen bzw. zurückgeworfen. Die verbleibenden Strahlungen lassen sich wieder als Gemisch nach dem Prinzip der additiven F. auffassen.

Gesetze der F.: Mit der F. lässt sich ein Ortesystem herstellen, das alle Farbarten nach Maßgabe ihres Aussehens enthält und eindeutig bestimmt. Hierzu sind drei Ausgangsfarben notwendig und hinreichend. Aus einem solchen System ist nach geometrischen Regeln herzuleiten, welche Farbe sich bei Mischung beliebiger anderer ergibt. Newton (1704) hat als Erster das geometrische Prinzip angegeben, nach dem man eine Mischfarbe «durch Konstruktion» finden kann (Newton’sche Schwerpunktkonstruktion). Grassmann hat die in Newtons Angaben enthaltenen Voraussetzungen in Form von drei Gesetzen expliziert (Grassmann’sche Gesetze). Sie besagen: (1) dass jeder Farbeneindruck sich in drei Momente zerlegen lässt: «den Farbenton, die Intensität der Farbe und die Intensität des beigemischten Weiß»; (2) dass, «wenn man von den beiden zu vermischenden Lichtern das eine stetig ändert (während das andere unverändert bleibt), auch der Eindruck der Mischung sich stetig ändert»; (3) dass «zwei Farben, deren jede konstanten Farbenton, konstante Farbenintensität und konstante Intensität des beigemischten Weiß hat, auch konstante Farbenmischung ergeben, gleichviel aus welchen homogenen Farben jene zus.gesetzt seien» (Grassmann, 1853). In der modernen Literatur finden sich die Grassmann’schen Gesetze häufig in anderem Wortlaut. Grassmann expliziert seine Sätze, indem er zeigt, dass sich F. wie Vektoradditionen verhalten. Dabei geht er in seinen Erläuterungen von vier Grundfarben aus. Erst später hat der britische Physiker Maxwell die heute übliche Farbtafel in Dreiecksform eingeführt, indem er sich ausdrücklich auf die physiol. Dreikomponententheorie von Young beruft (Farbwahrnehmung) und mittels der Newton’schen Schwerpunktkonstruktion die erste Darstellung der Spektralfarben aufgrund von Mischungen vornahm. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Spektralfarben sich nicht durch Mischungen erzeugen lassen (Spektrum), sondern nur nach dem Prinzip der «uneigentlichen F.» geometrisch darstellen lassen. Zur Darstellung eines Gemischsystems geht man heute nicht mehr von einer Farbebene, sondern von einem Farbraum aus. Dieser ergibt sich aus den drei Einheitsvektoren R G B (Rot, Grün, Blau), die aus Gründen der Einfachheit senkrecht aufeinander stehen. Eine beliebige Farbe lässt sich als Summe dieser Vektoren mit den zu ihrer Mischung benötigten Intensitäten als Komponenten ausdrücken, parallele Schnitte durch den Farbraum ergeben Farbdreiecke, die sich nur in der Helligkeit unterscheiden. Allgemein gilt für Gemischsysteme, dass sie sich beliebig linear ineinander transformieren lassen, man also durch Rechnung das Ergebnis einer F. finden kann oder aber auch ein anderes Farbsystem, das sich bei unterschiedenen Ausgangsfarben ergibt.

Verwendete Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.