Fehlleistung, Freud’sche

 

(= F. F.) [engl. Freudian slip, parataxis], [KLI], ist ein von Freud (Psychoanalyse) eingeführter Begriff, der eine fehlerhafte und unbeabsichtigte Leistung oder Handlung bez., die auf einem unbewussten psych. Konflikt beruht. Eine F. F. kann in Form eines Versprechens, Vergessens, Verlesens, Verhörens, Verlegens oder Verlierens zum Vorschein kommen. Hinter der F. F. vermutet die handelnde Person keine Absicht, sondern erklärt sich dessen Erscheinung als eine «Unaufmerksamkeit» oder «Zufälligkeit», die es verhindert hat das Handlungsziel zu erreichen. Ein wichtiges Merkmal einer F. F. ist, dass die Person in der Lage ist die beabsichtigte Handlung korrekt auszuführen oder sie bereits zuvor fehlerlos ausgeführt hat. Es handelt sich nicht um eine F. F., wenn die urhebende Person etwas willentlich überhört oder liegen lässt. In der 1901 veröffentlichten Schrift «Zur Psychopathologie des Alltagslebens» widmet sich Freud monografisch der psychodynamischen Untersuchung der F. F. Seine zentrale These lautet, dass in der F. F. verdrängte psych. Regungen zum Ausdruck kommen (Verdrängung). Auf dem Umweg der F. F. erlangen diese Zugang zum Bewusstsein und setzen sich gegen das «Abgedrängtwerden» durch. Entstehung und Ursache der F. F. sind der urhebenden Person nicht bewusst. In einem von Freud zit. Bsp. beginnt eine Person folgendermaßen von Geschehnissen zu berichten: «Dann sind aber Tatsachen zum Vorschwein gekommen» (Freud, 1901, 65). Somit drückt die Person aus, dass es sich dabei für ihn innerlich um «Schweinereien» handelt. Das Unterdrückte hat sich nicht abdrängen lassen, sondern einen Weg mittels des Versprechers ins Bewusstsein gebahnt und die beabsichtigte Handlung modifiziert. Freud führt drei wichtige Aspekte an, die charakteristisch für eine F. F. sind: (1) Die (fehlerhaft ausgeführte) Handlung liegt im Bereich des «Normalen», d. h., sie beeinträchtigt keine wichtigen Lebensleistungen wie die Nahrungsaufnahme oder die Ausübung eines Berufes. (2) Die F. F. ist lediglich eine vorübergehende Störung, die Person ist prinzipiell dazu in der Lage die Handlung fehlerfrei auszuführen. (3) Bei der Wahrnehmung einer F.F. wird diese als zufällig oder absichtslos eingeschätzt.

Verwendete Literatur

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