Fehlwahrnehmungen, kompetitive und kooperative

 

[engl. competitive and cooperative misperceptions; lat. competere wetteifern, cooperari mitwirken], [SOZ], das Konzept der kompetitiven und kooperativen Fehlkonzepte (= F.) geht auf die Konflikttheorie von Morton Deutsch zurück, wonach Konflikte (Konflikt, sozialer) – je nachdem, ob sie als kompetitive (Win-Lose-Modell) oder als kooperative Situation (Win-Win-Modell) verstanden werden – dazu neigen, entweder einen destruktiven oder einen konstruktiven Verlauf zu nehmen.

Destruktive Konflikte gehen mit kompetitiven F. einher, die zugleich zu einem Motor der Konflikteskalation werden, da sie ein Framing des Konfliktes bewirken, das die Widersprüche zw. den Konfliktparteien betont, die eigenen Ziele und Handlungen (Handlung) als angebrachter und berechtigter erscheinen lässt als die der Gegenseite und die Bereitschaft zu Empathie für die Anliegen des Gegners ebenso untergräbt wie die Fähigkeit zur Aufnahme von Informationen, welche die vorurteilsbeladenen Interpretationen des gegnerischen Handelns korrigieren könnten.

Konstruktive Konflikte werden durch kooperative F. begünstigt, welche die Sensibilität für Widersprüche abschwächen und die Sensibilität für das Wohlwollen des Partners stärken. Die kooperativen F. haben oft die Wirkung, den Konflikt einzudämmen und eine Eskalation unwahrscheinlich zu machen. Sie tragen aber auch die Gefahr in sich, dass Konfliktgegenstände übersehen werden oder dass sich die Partner auf eine verfrühte Kooperation einlassen und deshalb zu keiner stabilen Übereinkunft kommen, weil sie sich nicht genügend mit ihren Widersprüchen beschäftigt oder mit den Streitfragen nicht gründlich genug auseinandergesetzt haben.

Referenzen und vertiefende Literatur

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