Feld

 

(= F.) [engl. field], [BIO, KOG, PHI], ein Begriff, der häufig, bes. in der älteren Ps. (der Umgangssprache folgend), als Ausdruck für Bereich, Gebiet, Raum, z. B. Hörfeld, Sehfeld, Bewusstseinsfeld (Bewusstsein), gebraucht wird. Im strengen Sinn ist ein F. das Ergebnis von Kräften, die dem sie umgebenden Raum best. dynamische Beschaffenheit verleihen. So besitzt z. B. das Gebiet um einen Magneten für ein Stück Eisen eine best. Struktur, indem es an jedem Punkt versch. Kraftwirkungen erfährt. Die Verbindungslinien aller Punkte mit entspr. Kraftwirkungen sind Kraft- oder Feldlinien. Verändert man eine Einzelheit, entsteht ein neues F., das mit dem vorigen keine identischen Punkte hat. Das F. reagiert also als Ganzes, d. h., es ist eine Gestalt oder dynamische Ganzheit.

Analog lassen sich in der Ps. alle Prozesse und Verhaltensweisen, die nicht mechanischen Zwangsbedingungen gehorchen (Stoß und Druck, eindeutig festgelegte Nervenbahnen; Nerv), als Feldwirkungen darstellen. Jede Wahrnehmung kann als Feldgeschehen bez. werden. Eine Mehrzahl optisch wahrgenommener Dinge (phänomenales F.) gliedert sich in best. Weise und erfährt bei jeder Veränderung eines einzelnen Momentes vollst. Neugliederung. Ästhetisch unbefriedigende Gebilde werden in sich selbst gespannt erlebt und enthalten phänomenale Kräfte (Feldvektoren) auf einen ausgeglicheneren Zustand hin (Prägnanz). Das Erinnern (Gedächtnis) wird als ein Vorgang im Spurenfeld, das einen Bereich von best. dynamischer Struktur darstellt, angesehen. Die Bewegungen des Denkens kann man sich in einem F. vorstellen, dessen Struktur durch die Auffassung der Aufgabenstellung, Denkmöglichkeiten, Widersprüche, fehlendes Wissen usw. als Feldkräfte gegeben ist. Jedes Verhalten kann als durch ein F. bedingt angesehen werden, dessen Struktur von Bedeutungen, Bedürfnissen, Aufforderungscharakteren usw. als wirksamen Kräften abhängt (Verhaltensfeld, Koffka; Lebensraum, Lewin).

Dabei gibt es in der Ps. zwei Annahmen: (1) Das F. wird verstanden als im Hirnrindengebiet (Gehirn) lokalisiertes physikal. F., gleichbedeutend mit: physiol. F., zentrales F., Hirnfeld (Koffka, Köhler, Wertheimer), und die psych. Vorgänge werden gefasst als die ihnen entspr. Nervenerregungsvorgänge, also als Feldwirkungen zw. elektrochemischen Kräften (Gestalttheorie). (2) Das phänomenale oder Verhaltensfeld wird direkt in math. Begriffe übertragen, indem in stetiger Abb. jedem psychol. Begriff ein math. zugeordnet wird (topologische und Vektor-Psychologie).