Femininität

 

(= F.) [engl. femininity; lat. femina Frau], [GES, PER, SOZ], F. beinhaltet versch. Attribute, die als typischer für Personen des weiblichen Geschlechts angesehen werden. Dazu gehören (expressive oder kommunale) Persönlichkeitseigenschaften (z. B. «einfühlsam», «gefühlvoll»), Einstellungen und Werte (z. B. «familienorientiert»), Verhalten (z. B. «für andere sorgend») und Merkmale der äußeren Erscheinung (z. B. «lange Haare» oder «gut angezogen»).

Früher wurde F. als das eine Ende einer bipolaren Dimension angesehen, deren anderes Ende Maskulinität darstellte. Von Frauen wurde dementsprechend erwartet, dass sie möglichst feminin und wenig maskulin sein sollten. Erst in den 1970er-Jahren kam Kritik an dieser eindimensionalen Konzeption auf, v. a. durch Anne Constantinople, die postulierte, dass F. und Maskulinität zwei voneinander unabhängige Dimensionen seien. Demnach können Frauen und Männer unabhängig von ihrem biol. Geschlecht hohe oder niedrige Werte an F. (wie auch Maskulinität) aufweisen. Dieser Anregung wurde Rechnung getragen durch die Entwicklung versch. Instrumente wie dem Bem Sex Role Inventory (BSRI) und dem Personal Attributes Questionnaire (PAQ), die F. und Maskulinität als zwei unabhängige Dimensionen erfassten. Damit einhergehend wurde das Konzept der Androgynie populär.

Die neuere Forschung betrachtet F. und Maskulinität als multidimensionale Konstrukte (Konstrukt), die nicht nur Persönlichkeitseigenschaften beinhalten. Die Erfassung von F. über Prototypen ist ein Versuch, die Multidimensionalität des Konstruktes adäquater abzubilden. Thomas Eckes identifizierte z. B. die «Karrierefrau» oder die «Hausfrau» als zwei versch. Prototypen von F., wobei sich zeigte, dass die «typische Frau» größere Ähnlichkeit zur Hausfrau aufwies.

Die Rolle von F. und Maskulinität wurde auch in Zusammenhang mit gesundheitsrelevantem Verhalten und Gesundheit untersucht. Eine hohe F. (i, S. einer Selbstbeschreibung mit kommunalen Persönlichkeitseigenschaften) wurde in neueren Studien als Schutzfaktor für die Gesundheit identifiziert, interessanterweise bei Männern stärker als bei Frauen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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