Feministische Therapie

 

(= F. T.) [engl. feministic therapy; lat. femina Frau], [KLI], aus der Kritik an der traditionellen T. Mitte der 1960er-Jahre i. R. der f. Bewegung entstanden. Kritisiert wird, dass die theoretischen Modelle der traditionellen Psychotherapie auf die Bedürfnisse von Männern zugeschnitten und stark von gesellschaftlichen Vorurteilen wie sexistischen Vorstellungen geprägt seien. Die F. T. ist in erster Linie als eine ethische Sichtweise zu verstehen, die eine Vielzahl an Positionen, Techniken und Methoden subsumiert. Die Idee, Aspekten, die mit dem biol. Geschlecht und damit zus.hängenden Rollenvorstellungen etc. zus.hängen, bes. Bedeutung zu geben, kann grundsätzlich in versch. T.formen beachtet werden. Sie wird im Übrigen unter dem Begriff gender-sensitive therapy auch auf die T. mit Männern übertragen. Die unterschiedlichen therap. Positionen haben eine Reihe von Wertvorstellungen und Gewichtungen gemeinsam (die allerdings von vielen nicht f. Therapeuten ebenfalls geteilt werden): Die Therapiebeziehung wird als eine gleichberechtigte angesehen; Def. und Möglichkeiten der Geschlechterrollen werden weiter gefasst; die persönliche Verantwortung für Veränderung wird bes. betont; mit der Geschlechtsrolle zus.hängende Faktoren, die als ursächlich für die Schwierigkeiten angesehen werden, und deren Trennung von internalen Problemen werden als bes. wichtig betrachtet. Da f. Therapeuten unterschiedliche Orientierungen vertreten, unterscheiden sich auch ihre Methoden. So kommen je nach Orientierung gestalttherap. (Gestalttherapie), humanistische (Humanistische Therapien) oder verhaltenstherap. Techniken (Verhaltenstherapie) zum Einsatz. Die orthodoxe Psychoanalyse Freuds allerdings gilt als unvereinbar mit den Grundvorstellungen der f. Philosophie. Die therap. Ansätze kommen als Einzel-, Paar- und Familientherapie v. a. bei Problemen der SexualitätDepression und Gewalttätigkeit zum Einsatz. Wirksamkeitsbelege liegen nicht vor.