Fragebogen

 

(= F.) [engl. inventory, questionnaire], [DIA, FSE, PER], Sammlung von Fragen, die meist in einer Liste zus.gestellt und für eine systematische Befragung von Personen konzipiert sind. Mit dem F. sollen Informationen über einen Befragungsgegenstand über die Beurteilung durch Personen gesammelt werden. F. werden mit dem meth. Ziel konstruiert, mit einem strukturierten Set von Fragen standardisierte Bedingungen mittels identisch strukturierter, verbaler Statements bei allen befragten Personen zu schaffen. Wenn zusätzlich die Antworten noch vorgegeben sind und die Bewertung dieser auch noch mit einem entspr. Antwortformat möglich ist, so sind die Kriterien für einen standardisierten F. erfüllt. Mit den vorgegebenen Fragen wird bei den befragten Personen zunächst ein kogn. Prozess des Verstehens der Frage provoziert; der Inhalt der Frage leitet den Vorgang der Reflexion ein und mit der Entscheidung bzw. mit der Auswahl (z. B. aus vorgegebenen Antwortalternativen), die auch als Bewertungsdeklaration bez. werden kann, ist die Beantwortung abgeschlossen. Zu einem Befragungsgegenstand werden i. d. R. eine ganze Reihe von Fragen aufgelistet und ein Fragebogen kann auch Fragen zu mehreren Befragungsgegenständen enthalten. Mit der F.-Auswertung werden die zu einem Befragungsgegenstand gehörenden Antworten zus.gefasst und stat. aufbereitet.

F. als wiss. Datenerhebungsinstrumente grenzen sich von den in allem Lebensbereichen anzutreffenden Trivial-Befragungen dadurch ab, dass sie bei der Konzeption, der Entwicklung und der Konstruktion des F. die o. g. Phasen der Provokation, der Reflexion und der Deklaration berücksichtigen und somit erst einen gültigen Schluss von der Frage zur Antwort zulassen, bzw. diesen Schluss überprüfbar machen.

F. können versch. Kategorien zugeordnet werden (Rammstedt, 2006). Je nach Grad der Standardisierung unterscheidet man zw. vollstandardisierten, teilstandardisierten und nicht standardisierten F. Beim Gültigkeitsbereich der aus dem F. gewonnen Aussagen wird zw. individual- und gruppenbezogenen Aussagen unterschieden. Über den Befragungsmodus lassen sich schriftliche von mündlichen Befragungen unterscheiden. Je nach Befragungsobjekt und Fragestellung sind auch die in den Fragen thematisierten Inhalte unterschiedlich. Dementsprechend wird zw. Wissensfragen, Einstellungsfragen, Interessensfragen und personbezogenen Eigenschaftsfragen unterschieden.

Der Fragebogen ist als sozialwiss. Untersuchungsinstrument in der empirischen Sozialforschung weitverbreitet. Mit ihm sollen Einstellungen, Meinungen, Gepflogenheiten, Präferenzen usw. bei der Bevölkerung bzw. Gruppen von Personen ermittelt werden. Die inflationäre Anwendung von wenig sorfältig konstruierten F. mithilfe digitaler Medien und die Beobachtung, dass zum selben Befragungsgegenstand häufig konträre Ergebnisse vorgelegt werden, hat die Fachwissenschaften veranlasst, die dafür verantwortlichen Ursachen zu ermitteln (Kaase, 1999). Ein gewichtiger Faktor für diesen Zustand wurde beim Inhalt, beim Aufbau und bei der Formulierung der Fragebogen identifiziert. Mit der Feststellung, dass F. häufig eine «unangemessene Komplexitätsreduktion» aufzuweisen haben, wird darauf hingewiesen, dass es an Indikatorensystemen fehlt, die Grundlage für F. sind, und die komplexe Befragungsgegenstände erst untersuchbar machen. Auch die Nichtbeachtung bekannter Antworttendenzen (response-set) wird angemahnt.

In der empir. Persönlichkeitsforschung und in der psychol. Diagnostik haben F. als Persönlichkeitstests eine gewisse Sonderstellung. Sie sind an Konstrukten der Persönlichkeitsforschung orientiert und müssen die Testgütekriterien (Gütekriterien, Psychometrie, Testtheorie) der psychol. Diagnostik erfüllen. Datenerhebungsverfahren, Teststandards.

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.