Fremdenreaktion

 

(= F.) [engl. child's fear of strangers], [EM, EW], Reaktion eines Kindes auf das Auftauchen einer fremden Person, die sich je nach Intensität in den folg. Verhaltensweisen manifestieren kann: scheues, befangenes Lächeln, Versteifen des Körpers, Abwenden des Blickes, sicherheitssuchender Blick zu einer Bezugsperson (Bindung), Erstarren der Mimik, alarmiertes, furchtsames Anschauen der fremden Person (Furcht), Flucht zu einer Bezugsperson, Anklammern an eine Bezugsperson, Weinen, Schreien, anhaltende Verstörung. Mind. in einer milden Form ist die F. bei nahezu allen Kindern irgendwann zw. sechs Monaten und zwei Jahren zu beobachten. I. d. R. tritt sie ziemlich plötzlich um den achten Lebensmonat herum auf, weshalb sie auch Achtmonatsangst genannt wird. Erklärt wird das Auftreten der F. häufig mit neu erworbenen kogn. Fähigkeiten (Entwicklung, kognitive) wie einer veränderten Verarbeitung von Diskrepanz aufgrund verbesserter Gedächtnisleistungen (Gedächtnis, Kagan, 1980, Schaffer, 1974), mit einer Sensibilisierung des Kindes aufgrund früherer unangenehmer Erfahrungen mit Fremden (Sroufe, 1977, Bronson, 1978) oder als Reaktion auf das Versagen der vorsprachlichen Kommunikation (Bower, 1979). Daneben gibt es auch Hinweise darauf, dass es sich bei der F. um eine angeborene Reaktion handelt, die im Zusammenhang mit der Möglichkeit zu eigener Lokomotion (Entwicklung, motorische) reift und die Funktion hat, zu verhindern, dass sich das Kind in Gefahr begibt (Bowlby, 1974, Bischof-Köhler, 1994). Außerdem wird die F. häufig mit der Trennungsangst gleichgesetzt (Spitz, 1967) oder es werden für beide Phänomene zumindest teilweise gleiche Entwicklungsvoraussetzungen vermutet (Kagan, 1980). Tatsächlich tritt die Trennungsangst aber etwa ein bis zwei Monate vor der F. auf.

Verwendete Literatur

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