Freundschaft, Entwicklung im Jugendalter

 

[engl. friendship, development in adolescence], [EW, SOZ], Freundschaften (= F.) sind wichtige soziale Beziehungen im Jugendalter (Adoleszenz) wie annähernd über die gesamte Lebensspanne (Lebensspannenpsychologie) hinweg. Mit der körperlichen und kognitiven Entwicklung, sich wandelnden Bedürfnissen und neuen Herausforderungen im Übergang zur Jugendzeit verändern sich aber der Charakter und die Bedeutung von F. Gegenüber den v. a. aktivitätsbasierten und vergleichsweise weniger stabilen F. zw. Kindern treten die Aspekte der Intimität und des Vertrauens (Vertrauen) sowie der wechselseitigen Unterstützung (soziale Unterstützung) auch emot. Art (Emotionen) im Übergang zum Jugendalter stärker in den Vordergrund, deutlicher noch bei F. zw. Mädchen als unter Jungen. Diese Entwicklung schreitet von der frühen zur späten Adoleszenz weiter voran. Durch sie nimmt das gemeinsame Unterhalten neben anderen Aktivitäten eine wichtigere Rolle unter den Freundschaftsaktivitäten ein als noch in der vorangehenden Entwicklungsphase. Typischerweise ergänzen und erweitern F. trotz ihres im Vergleich mit der Kindheit eigenständigeren Charakters gegenüber der Familie die Beziehungen und Interaktionen mit den Eltern, wobei Freunde für einzelne Themenfelder wie Freizeit und Sexualität oft die wichtigeren Ansprechpartner Jugendlicher sind. Eine wesentliche Besonderheit von F. gegenüber Familienbeziehungen und eigene Herausforderung ist ihre im Prinzip gegebene Freiwilligkeit und damit Aufkündbarkeit. Der Wunsch, die als wichtig erachteten Freundschaftsbeziehungen aufrechtzuerhalten, und die ins Jugendalter hinein gewachsenen sozialen Kompetenzen und kogn. Kompetenzen führen in Konfliktfällen (Konflikt, sozialer) eher als bei Kindern zu erfolgreichen Aushandlungsprozessen, wodurch die F. Jugendlicher dauerhafter sind und auch ein Übungsfeld für Auseinandersetzungen zw. Gleichrangigen bieten. Neben diesem und weiteren Potenzialen von F. als Bedingung einer pos. Entwicklung ist aufgrund der wechselseitigen Beeinflussung auch ein gewisses Risiko von F. als Kontext für die Herausbildung unerwünschter Einstellungen und Verhaltensweisen (Verhalten) gegeben, abhängig davon, mit wem Jugendliche Freundschaften eingehen. Angesichts der verbreiteten Homophilie (Gesellung Gleichartiger) in der Freundschaftsgenese sind solche normverletzenden Einflüsse (Normen, soziale) nicht zuletzt dann wahrscheinlich, wenn die Familienbeziehungen problembelastet sind und Freunde komplementär dazu gesucht werden. Wegen ihrer vielfältigen Bedeutung i. R. der Entwicklung im Jugendalter sind sie neben den Beziehungen zu den Eltern jene, die das stärkste Interesse in der Jugendforschung gefunden haben. Peer-group.

Referenzen und vertiefende Literatur

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