Friedensjournalismus

 

(= F.) [engl. peace journalism], [MD, SOZ], F. bez. einerseits eine als Reaktion auf den Golfkrieg und die post-jugoslawischen Bürgerkriege entstandene journalistische Schule, die dem Propaganda-Bias der Konfliktberichterstattung in den Medien entgegenzuwirken versucht, und andererseits ein Teilgebiet der friedenspsychol. Grundlagenforschung, das die sozialpsychol. Bedingungen und Möglichkeiten einer konstruktiven Konfliktberichterstattung untersucht. Gemeinsame Grundlage ist der bis auf die UN-Menschenrechtserklärung von 1948 zurückreichende und in einer Vielzahl an internat. Verträgen und Abkommen festgeschriebene Friedensauftrag der Medien. Kontrovers diskutiert wird dagegen die Frage, wie dieser zu erfüllen sei. Während Vertreter der journalistischen Schule dazu tendieren, den F. als eine Form des Meinungsjournalismus zu propagieren, den Journalisten eine aktive Rolle als Konfliktmanager zuzuweisen und/oder die Qualitätsnormen des Journalismus (insbes. Distanziertheit und Objektivität) infrage zu stellen, sieht die ps. Grundlagenforschung die Problemlage eher darin, wie diese Qualitätsnormen auch unter den Bedingungen von Konflikt und Krise erfüllt werden können. Entsprechend wird die Aufgabe des F. darin gesehen, die als Motor der Konflikteskalation wirkenden Fehlwahrnehmungen der Akteure zu konterkarieren und damit einer Eskalation des öffentlichen Diskurses entgegenzusteuern bzw. dort, wo der Diskurs bereits eskaliert ist, ihn wieder zu deeskalieren und schrittweise von einem Kriegsdiskurs in einen Friedensdiskurs und schließlich in einen Versöhnungsdiskurs überzuführen (konfliktbezogene Diskursformen). Zu diesem Zweck untersucht sie sowohl die Bedingungen der Nachrichtenproduktion als auch die Prozesse der Nachrichtenselektion und des Framings von Nachrichten sowie auch die daraus resultierenden Medienwirkungen. Als Untersuchungsfeld und Anwendungsgebiet hat der F. dabei nicht nur die Kriegsberichterstattung, sondern auch die Berichterstattung im Vorfeld eskalierender Konflikte (Vorkrieg) und insbes. auch den möglichen Beitrag der Medien zu Peace-Building, Demokratisierung und Versöhnung in Nachkriegsgesellschaften im Auge.

Referenzen und vertiefende Literatur

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