Friedenspsychologie, Genderfragen

 

[engl. peace psychology,gender aspects; gender Geschlecht], [SOZ], der pos. Friedensbegriff nach Galtung umfasst nicht nur die Abwesenheit direkter, sondern auch struktureller Gewalt. Hierzu zählt auch Geschlechterungleichheit. Gender bildet zudem eine wichtige Dimension zur Analyse gewaltförmiger Konflikte. Folgende Themen sind an der Schnittstelle von Friedenspsychologie und Geschlechterforschung zentral (Schroer, 2010): (1) Frauen werden als Akteurinnen in Kriegs- und Friedensprozessen untersucht, und zwar Erfahrungen und Strategien als Opfer direkter und struktureller Gewalt während und nach Kriegen, (2) das friedenspolitische Engagement von Frauen und Frauengruppen sowie (3) die Rolle von Täterinnen, z. B. im Nationalsozialismus oder als minderjährige Soldatinnen. Geschlechtsspezifische Erfahrungen von Männern, z. B. die Rekrutierung als Soldaten, männliche Opfer- und/oder Tätererfahrungen, werden in neueren Studien männlichkeitstheoretisch erforscht. Methoden der Konfliktbearbeitung wurden zudem kritisiert und weiterentwickelt, da sie häufig zum Ausschluss von Frauen als Verhandelnde beitrugen und hinsichtlich der Ergebnisse auf eine ungleiche Teilhabe hinausliefen.

Zu den stärker theoretisch ausgerichteten Beiträgen gehört die Erforschung der Zusammenhänge zw. Geschlecht und Aggression. Die zahlreichen Untersuchungen erstrecken sich von der personalen Ebene bis hin zu kollektiv ausgeübter Kriegsgewalt. Theoretische Grundlage bildet die Dekonstruktion von Geschlecht als natürlicher Kategorie, wodurch essenzialistische Zusammenhangsannahmen zw. Männlichkeit (Maskulinität) und Gewalt bzw. Weiblichkeit (Femininität) und Gewaltlosigkeit obsolet wurden. Beeinflusst durch gendertheoretische Untersuchungen zu Geschlecht und Nation sowie durch Männlichkeitstheorien wurden zudem Intersektionen sozialer Kategorien stärker einbezogen, z. B. zw. Geschlecht, Heterosexualität und Nation (Intersektionalität). Untersucht wurden Entstehungsdynamiken von Nationalismen, ihre Verwobenheit mit normativen Vorstellungen von Geschlecht und (Hetero-)Sexualität sowie die damit verbundene Herstellung von Überlegenheitsansprüchen und vergeschlechtlichten Gewaltlegitimationen.

Verwendete Literatur

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