Fünf-Faktoren-Modell

 

(= F.) [engl. five-factor-model], [PER], eine Taxonomie fünf grundlegender Persönlichkeitsdimensionen (die Big Five, Abk. B5): (1) Neurotizismus [engl. neuroticisim oder umgepolt emotional stability, Abk. N]: Tendenz zu Ängstlichkeit und Nervosität; (2) Extraversion [engl. extraversion, Abk. E]: Tendenz zu Geselligkeit, Dominanz und Frohsinn; (3) Offenheit für neue Erfahrungen bzw. Intellekt bzw. Kultur [engl. openness, Abk. O): Tendenz zu Beschäftigung mit tiefsinnigen und schöngeistigen Themen; (4) Soziale Verträglichkeit [engl. agreeableness, Abk. A]: Tendenz zur Freundlichkeit und Harmonie; (5) Gewissenhaftigkeit (engl. conscientiousness, Abk. C): Tendenz zu langfristigem Planen, Selbstdisziplin und Fleiß.

Im Engl. ergeben die Anfangsbuchstaben auch die einprägsame Abk. OCEAN. Die B5 sind breite Persönlichkeitsdimensionen (Persönlichkeit), mit denen sich Persönlichkeitsunterschiede in allen Kulturen beschreiben lassen. Historisch wurden immer wieder ähnliche fünf Faktoren in versch. Datensätzen gefunden (Überblick: John et al., 2008), sodass man sie alle als B5 interpretieren und eine Fünf-Faktoren Struktur als sehr robust ansehen kann. Die B5 sind die bekannteste und in der Persönlichkeitsforschung meist genutzte Trait-Taxonomie (Trait, Persönlichkeitsmerkmal, Taxonomie). Sie erwiesen der Persönlichkeitsps. einen großen Dienst, da sie es ermöglichten, eine «gemeinsame Sprache» für die Benennung und Kommunikation über grundlegende Trait-Dimensionen zu haben. Daher wirken sie integrierend und richtungsweisend für das Feld, welches mittlerweile zahlreiche Studien zur Vorhersagekraft (Validität, prädiktive/prognostische/Vorhersage-), genetischen Verankerung (Verhaltensgenetik), transkulturellen Äquivalenz (Äquivalenz, kulturübergreifende), zeitlichen Stabilität und Entwicklung über die gesamte Lebensspanne (Lebensspannenpsychologie) der B5 verzeichnen kann. Einige über die B5 hinausgehende Ansätze finden sich unter Persönlichkeit, neuere Faktorenanalytische Ansätze.

Obwohl die Bezeichnungen B5 und FFM oft als austauschbar verwendet werden, so rühren diese eigentlich von zwei separaten Forschungstraditionen her: (1) Big Five (B5): Lexikalische Studien (lexikalischer Ansatz), die die alltägliche «Persönlichkeitssprache» sparsam zus.fassen, führen in germanischen Sprachen (Englisch, Deutsch, Holländisch) regelmäßig zu den B5 (in vielen anderen Sprachen konnten sie jedoch lexikalisch nicht repliziert werden). Der Begriff Big Five“ wurde erstmals von Goldberg (1981) benutzt, auch wenn frühere Studien bereits ähnliche Faktoren fanden. Diese Tradition nutzt Adjektive zur Erfassung der B5, wie z. B. im Big Five Inventar (BFI). (2) Five-Factor Model (FFM): Hierarchische Beschreibung von Persönlichkeitsfaktoren in Haupt- und Unterdimensionen (Domänen und Facetten), ursprünglich auf die Dimensionen N, E und O begrenzt. Unter dem Einfluss der B5 wurde diese Taxonomie später durch Hinzunahme von A und C zum FFM ausgebaut. Durch zusätzliche Annahme einer biol. Verankerung und hohen zeitlichen Stabilität der B5 wurde dem FFM von McCrae & Costa (2008) der Status einer Theorie der Persönlichkeit zugesprochen (Five-Factor Theory, Abk. FFT). Diese Tradition nutzt Aussagesätze zur Erfassung der B5, wie z. B. im NEO Persönlichkeitsinventar (NEO-PI-R) oder seiner Kurzform NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI). Persönlichkeit, neuere faktorenanalytische Ansätze.

Referenzen und vertiefende Literatur

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