Gedächtnisprozesse im Säuglingsalter

 

[engl. memory processes in infancy], [EW, KOG], bei Säuglingen wird v. a. das Langzeitgedächtnis (Gedächtnis) studiert, wobei eine Gedächtnistaxonomie von Schacter & Tulving (1994) forschungsleitend ist, in der nicht deklarative von deklarativen Gedächtnisprozessen unterschieden werden. Während in Erwachsenenstudien häufig Verhaltensindikatoren Maße für das nicht deklarative Gedächtnis bilden (z. B. motorische Expertise wie das Tennisspiel, Motorik) und das deklarative Gedächtnis über verbale Indikatoren erfasst wird (z. B. Weltwissen; Erinnern von eigenen Erlebnissen, Erinnerung), liegt die Besonderheit der Säuglingsforschung darin, dass alle Gedächtnisprozesse über das Verhalten operationalisiert werden müssen. Es wird kontrovers diskutiert, welche Verhaltensweisen von Babys die beiden Gedächtnisarten dieser Taxonomie anzeigen. Nicht deklaratives Gedächtnis von Säuglingen wird über Verhalten operationalisiert, dem meist eine ausgedehntere Erfahrung mit dem Lernmaterial zugrunde liegt (z. B. Familiarisierung mit Personen, Objekten bzw. Habituierung, Habituierungsmethode), wobei der Gedächtniseintrag zudem häufig modalitätsspezifisch analysiert wird (z. B. visuelle Habituierung bzw. visuelle Vertrautheit bzw. visuelle Diskrimination) und der Gedächtniseintrag inkrementell erfolgt (z. B. sukzessive Steigerung des Strampelns durch Verstärkung in der Mobile-Aufgabe bzw. viele Durchgänge in einer Habituierungsaufgabe). Von deklarativen Gedächtnisprozessen wird demgegenüber ausgegangen, wenn Verhalten vergleichsweise schnell erworben wird (z. B. durch Beobachtung und nicht durch sukzessiven Aufbau), das Verhalten modalitätsübergreifend verfügbar ist (z. B. die kindliche Beobachtung einer Handlung erlaubt die Handlungsausführung) und wenn das neu erworbene Verhalten auch nach einem längeren Zeitraum erstmals abgerufen werden kann. Eine Gedächtnisaufgabe, von der seit Piaget (1975c) angenommen wird, dass sie diese Eigenschaften erfasst, ist die verzögerte Imitationsaufgabe (Paradigma der verzögerten Nachahmung). Akt. wird angenommen, dass deklaratives Gedächtnis zumindest ab dem 6. Lebensmonat vorliegt, während nicht deklaratives Gedächtnis bereits früher nachweisbar ist.

Referenzen und vertiefende Literatur

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