Gemeinschaft

 

(= G.) [engl. community], [MD, SOZ], ist im sozialwiss. Verständnis ein strukturiertes soziales Gebilde bestehend aus einer Menge an Personen, die auf der Basis gemeinsamer Merkmale oder Interessen ein Zus.gehörigkeits- bzw. Wir-Gefühl empfinden (Gemeinschaftsgefühl, Zusammenhalt, sozialer) und oft auch miteinander kommunizieren und kollaborieren, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Es werden v. a. ortsbezogene G. (community of place, spatial community), deren Mitglieder als Merkmal denselben Ort teilen (z. B. Dorfg.) von interessensbezogenen G. (community of interest) differenziert, deren Mitglieder best. Interessen teilen (z. B. Fang.). Es besteht in der Sozialpsychologie eine Überschneidung mit dem Konzept der Gruppe, d. h., manche soziale Gebilde (z. B. Familie) werden sowohl als Gruppe (Primärgruppe) als auch als G. (Familieng.) bez. Meist wird der G.begriff heute verwendet in Abgrenzung zur Kleingruppe als dem in der Sozialps. meistuntersuchten Gruppentypus. Während eine Kleingruppe aus max. 30 Personen besteht, die sich an einem Ort treffen und face-to-face interagieren können, ist mit einer G. meist eine interessensbezogene, geografisch verstreute Großgruppe angesprochen, etwa eine Religionsg., ethnische G., Fang. oder auch Lebensstilg. (z. B. LBGTYI Community) und nicht zuletzt die Wissenschaftsg. (scientific community).

Aufgrund ihrer Mitgliederzahl und geografischen Verstreutheit sind interessensbezogene G. i. d. R. auf mediale Kommunikation angewiesen, wobei die computervermittelte Kommunikation über das Internet eine Schlüsselrolle einnimmt. Aus medialer Perspektive spricht man von Online-G. oder Online-Communitys, wenn G. sich v. a. über eine Internet-Plattform organisieren (z. B. Online-Selbsthilfegruppe in einem Webforum). Dabei def. aber nicht die Technologie die G., sondern es sind weiterhin die sozialen Merkmale (v. a. Abgrenzung der G. von der Umwelt, Verhaltensregeln, Rollenverteilungen). Viele soziale Gruppen und G. nutzen heute sowohl Online- als auch Offline-Kommunikation (z. B. Mitglieder einer Online-Selbsthilfegruppe treffen sich regelmäßig persönlich zu einem Stammtisch; Mitglieder einer Sportgruppe vernetzen sich über eine Mailingliste oder Social-Networking-Plattform), sodass die Dichotomisierung sozialer Gebilde in Online-G. und Offline-G. oder Online-Gruppe und Offline-Gruppe im konkreten Fall zu hinterfragen ist.