Geruch

 

(= G.) [engl. smell], [WA], Wahrnehmung verschiedenartiger Duftstoffe. Formen der G.empfindung: (1) ätherische G. (Apfel, Wein); (2) aromatische G. (Kampfer, Terpentin, Anis); (3) balsamische G. (Jasmin, Orange, Veilchen); (4) Moschusg. (Ambra, Patschuli); (5) Lauchartige G. (Zwiebel, Fisch, Jod, Chlor); (6) brenzlige G. (Tabak, Teer, Karbol); (7) Kaprylg. (Käse, Schweiß); (8) widerliche, betäubende G. (Opium, Wanzen); (9) ekelhafte, gestankähnliche G. (Fäulnis, Kot). Diese Einteilung gab Zwaardemaker. Juhasz entdeckte bei best. G. und vergleichender Betrachtung noch G.höhen. Henning unterschied sechs Grundqualitäten: würzig, blumig, fruchtig, harzig, brenzlig, faulig. Eine Ordnung dieser Grundgerüche wurde mit dem Schema des Geruchsprismas angestrebt. Die sechs Qualitäten sind demnach an den sechs Ecken eines Prismas stehend zu denken, dazw. die Übergänge. Viele Teilerscheinungen erinnern an Vorgänge auf akustischem Gebiet; ein Zusammenfassen obj. nacheinander folg. G. tritt nicht ein. Das den G. aufnehmende Organ (Regio olfactoria) ist die in der obersten der drei Nasenmuscheln liegende, bräunlich gefärbte Riechschleimhaut mit sensiblen Nervenendigungen. Die mit dem Atemzug emporströmenden Gase werden hier als G. bemerkt. Die absolute Reizschwelle ist sehr klein: für Schwefelwasserstoff z. B. 1/5000 mg in 1 l Luft. Das Riechzentrum hat seinen Sitz beim Menschen im Hippocampus und Uncus (Gehirn). Zum Geruchsorgan führen über den Bulbus olfactorius die Filia olfactoria. Genetisch ist wahrscheinlich, dass der G.sinn ältester, urtümlichster Sinn auch des Menschen ist. G. und Gefühlsleben bleiben entspr. nahe gebunden: der tiefere Sinn in dem Wort, dass man «jemanden nicht riechen könne»! Auch dass bei mehreren Gerüchen nicht nur der stärkere, sondern auch der gefühlsbetontere Reiz siegt, gehört hierher. Sinnesfunktionen.