Gesichtserkennung

 

(= G.) [engl. face recognition], [KOG, WA], ist das Identifizieren von Personen anhand ihres Gesichts (vgl. Objekterkennung). Die Gesichtswahrnehmung umfasst darüber hinaus das Herauslesen anderer Merkmale (z. B. das Alter) und einer Vielzahl sozialer Informationen (Emotionen, Intentionen) aus Gesichtern. Gesichter bilden eine sehr homogene Gruppe mit derselben Grundstruktur. Daran gemessen ist das Gehirn sehr viel besser darin, Gesichter voneinander zu unterscheiden als Objekte vieler vergleichbar homogener Klassen. Das gilt allerdings v. a. für Gesichter, die eine bekannte Physiognomie (Physiognomik) aufweisen – Gesichter einer unbekannten Ethnie (bspw. asiatische Gesichter für einen Beobachter aus einem europäischen Umfeld) werden meist schlechter wiedererkannt. Das Gleiche gilt für auf dem Kopf präsentierte Gesichter und ganz allg. für Gesichter von unbekannten Personen. Während unbekannte Gesichter eher anhand der äußeren Form und Haarlinie verglichen werden, registriert das Gehirn in gelernten Gesichtern subtile Unterschiede sowohl in den einzelnen Merkmalen als auch in der Relation dieser Merkmale zueinander. Dies führt zu guter Wiedererkennung selbst nach Frisurveränderungen oder Alterungsprozessen. Eine der Hauptfragen der Forschung zur G. ist, ob es einen angeborenen, spezif. Mechanismus für die Identifizierung von Gesichtern gibt. Die alternative Erklärung wäre, dass allg. Objekterkennungsmechanismen in besonderem Maße für Gesichter trainiert werden, da das Erkennen anderer Personen eine der wichtigsten sozialen Fähigkeiten überhaupt ist. Unabhängig davon ist sicher, dass es Gehirnareale gibt, die immer dann aktiv sind, wenn Gesichter analysiert oder wiedererkannt werden. Läsionen dieser Gehirnareale können zu partiellem oder völligem Verlust der Fähigkeit der G. (Prosopagnosie) führen. Thatcher-Täuschung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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