Gestaltgesetze, Gestaltfaktoren

 

[engl. gestalt laws, gestalt grouping, gestalt principles], [WA], bez. eine Gruppe von Regeln, die beschreiben, wie wir perzeptuelle Eindrücke (Wahrnehmung) zu Objekten organisieren. Die Beschäftigung mit dieser Frage führte zur Gründung der Gestaltpsychologie durch Wertheimer und Kollegen, die sich von den Ideen des Strukturalismus (das Ganze setzt sich aus einzelnen elementaren Empfindungen zus.) abgrenzten und annahmen, dass das Ganze mehr sei als die Summe seiner Teile (Wertheimer, 1912). Die heutige Sichtweise ist dabei, dass man nicht mehr von Gesetzen, sondern von Prinzipien oder Heuristiken ausgeht. Dennoch haben die Gestaltprinzipien (= G.) das Verständnis über die Prozesse, die zur Wahrnehmung kohärenter Objekte führen, bis heute beeinflusst. Einige prominente G. sind die Prinzipien der Nähe, der Ähnlichkeit, des guten Verlaufs, des gemeinsamen Schicksals, der Vertrautheit, der Verbundenheit von Elementen und der zeitlichen Synchronizität. So werden z. B. Elemente, die sich ähnlich sehen (Prinzip der Ähnlichkeit), die räumlich nahe beieinander angeordnet sind (Prinzip der Nähe), die durch weitere Reize miteinander verbunden sind (Prinzip der Verbundenheit von Elementen) oder die zus. an ein bedeutungshaltiges Reizmuster erinnern (Prinzip der Vertrautheit), zus. gruppiert (vgl. Abbildung). Neben diesen Prinzipien gilt das zentrale Prinzip der Einfachheit, das besagt, dass alle Reizmuster so gesehen werden, dass die resultierende Struktur so einfach wie möglich ist.

G. ermöglichen keine präzisen Vorhersagen, da in einer konkreten Situation versch. G. durchaus in Konkurrenz zueinander stehen können (z. B. die Prinzipien der Nähe und Verbundenheit von Elementen). Deswegen wird heutzutage argumentiert, dass G. heuristisch arbeiten (Heuristik), d. h., in best. Situationen liefern G. sehr schnell Informationen, welche Elemente gruppiert werden sollten. Dies führt meistens (aber nicht immer) zu korrekten Objektrepräsentationen (Repräsentation). Diese Vorstellung von heuristisch arbeitenden G. kann erklären, warum die G. eben keine Gesetzte sind, die präzise Vorhersagen machen.

Die G. wurden ursprünglich vornehmlich auf die Verarbeitung visueller Reize angewendet (visuelle Wahrnehmung, z. B. Koffka, 1935, Köhler, 1930); es hat sich jedoch gezeigt, dass sich die G. auch auf die Verarbeitung akustischer (Hören, Bregman, 1990) und taktiler Reize (Hautsinne (Tast-, Temperatur-, Schmerzsinn); Gallace & Spence, 2011) übertragen lassen. Somit scheint die Aussage gerechtfertigt, dass die G. grundlegende, amodale Prinzipien unserer Wahrnehmung beschreiben. 

 

Gestaltgesetze: Gruppierung von Elementen durch Gestaltprinzipien sowie ein Beispiel für widersprüchliche Wirkung zweier Prinzipien

Referenzen und vertiefende Literatur

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