Gesundheit, berufliche Bedingungen

 

[engl. working health conditions], [AO, KLI, WIR], Gesundheit (= G.) im beruflichen Kontext wird durch unterschiedliche wiss. Zugänge betrachtet und wird insbes. durch stresstheoret. Ansätze untersucht. Epidemiologische Ansätze (Epidemiologie) setzen versch. Indikatoren von Krankheit in Verbindung mit Merkmalen der Arbeitsumgebung und suchen – ohne zugrunde liegende wiss. Konzepte – nach stat. signifikanten Zus.hängen. Dabei werden Zus.hänge zw. Inzidenzen arbeitsbedingter Erkrankungen und riskanten Arbeitsbedingungen untersucht, wie z. B. Lärm, Schichtarbeit oder psych. Belastungen. Soziologische und psychol. Ansätze stellen Modelle über den Zus.hang zw. G. und Arbeitsbelastungen auf, die sie empir. zu belegen versuchen. Zu nennen sind hier v. a. das Anforderungs-Kontroll-Modell (job demand-control model) des amerik. Soziologen Robert A. Karasek (Karasek, Theorell, 1990) und das Modell der beruflichen Gratifikationskrisen des dt. Med.soziologen Johannes Siegrist aus dem Jahre 1996. In neuerer Zeit hat eine niederländische Forschungsgruppe (Demerouti et al., 2001) das Anforderungs-Ressourcen-Modell [engl. job demand-resources model] entwickelt, zunächst um das Burn-out-Syndrom zu erklären und dann um psych. Gesundheit vorauszusagen, mit empir. vielfach pos. Ergebnissen. Wiss. Ansätze der Arbeitswiss. und Arbeitsps. operieren mit Belastungs-Beanspruchungs-Konzepten, um den Zus.hang zw. G. und Arbeitsbelastungen zu erklären. Unter dem Begriff der arbeitsbedingten Belastung wird die Summe aller auf den Menschen einwirkenden Einflüsse aus der Arbeitsaufgabe, der Arbeitsumgebung und der Arbeitsorganisation verstanden, die Auswirkungen auf den Menschen haben können. Die Belastung [engl. stress] ist in ihrer Wirkung auf den Menschen neutral, bewirkt jedoch je nach Konstitution der Person einen Anstieg oder eine Verminderung der Beanspruchung [engl. strain] als gesundheitlicher Folge oder langfristiger Beeinträchtigung. Neben Risiken und Belastungen werden gesundheitliche Ressourcen (Resilienz) untersucht, die bedeutsam für die Bewältigung von Belastungen (coping) und damit für den Erhalt und die Wiederherstellung von G. sind (Antonovsky, 1979; Salutogenese). Innere Ressourcen liegen in Form protektiver Überzeugungen oder Persönlichkeitseigenschaften vor, externe Ressourcen finden sich in der Organisation, der Arbeitsaufgabe und dem sozialen (Arbeits-)Umfeld, z. B. in Entscheidungs- und Kontrollspielräumen, der Sinnhaftigkeit der Arbeit oder der sozialen Unterstützung am Arbeitsplatz (durch Kollegen und Vorgesetzte).

Referenzen und vertiefende Literatur

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