Gesundheit, Laienkonzepte

 

[engl. health, concepts of laypersons], [GES], syn. subj. Gesundheitskonzept; neben dem Expertenbegriff gibt es auch einen Laienbegriff von Gesundheit (= G.). Was med. Laien über G. denken, stellt nicht einfach ein Abbild des Expertenwissens dar. Laien entwickeln im Laufe ihres Lebens über ihre Sozialisation (in Familie, Schule etc.) und aus persönlichen Erfahrungen, Vorstellungen über G. und Krankheit, die sie in ihrem gesundheitlichen Handeln leiten. Dieses Alltagswissen von Laien ist sehr bedeutsam für die professionelle Praxis in Prävention, Behandlung und G.versorgung, weil es eine Orientierung für Experten darstellen kann, an welchen Konzepten sich gesunde und kranke Menschen (Pat.) ausrichten und wie man sie folglich erreichen kann (Compliance). Es stellt die Wissensbasis des «Laiengesundheitssystems» dar, die alltägliche Organisation des Umgangs mit G. und Krankheit, die außerhalb und parallel zum professionellen G.system erfolgt und viele Funktionen z. B. in der Vorsorge, der Selbstbehandlung, im Zugang zum Expertensystem und in der Betreuung kranker Menschen in den Familien erfüllt. Das Laienkonzept umfasst das Verständnis von G., d. h., wie med. Laien G. persönlich def. Es wurde in interdisziplinären Forschungen mit quant. und qual. Methoden bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in unterschiedlichen Ländern untersucht, sodass wir heute gute Erkenntnisse über Laienkonzepte haben. Als Pionierarbeit gilt die Studie der frz. Sozialpsychologin Herzlich (1973). Die Studienergebnisse konvergieren darin, dass G. in der erwachsenen Bevölkerung weitgehend pos. best. wird und dass Konzepte wie psych. Wohlbefinden, funktionale Leistungsfähigkeit und körperliche Fitness dominieren. Neben diesen inhaltlichen Bestimmungen von G., die oft multidimensional sind, werden im Laienkonzept auch Prozesse formuliert, wie sich G. im Lebenslauf verändert. Vom Laienkonzept der G. werden Laientheorien von G. und Krankheit unterschieden und auch wiss. untersucht; sie erfassen darüber hinausgehende Vorstellungen von Laien (subjektive Theorien) über wahrgenommene Einflussfaktoren auf die G. sowie Vorstellungen von gesunden oder kranken Menschen über Krankheiten, ihre Symptome, Ursachen und Folgen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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